Christian Keller im Gespräch über Mentalität, Begeisterung und Teamgeist als Basis des Erfolgs

Regensburg – Die vergangene Spielzeit dürften sich Fans und Verantwortliche des SSV Jahn Regensburg rot markiert haben. Erstmals in ihrer Geschichte konnte die Jahnelf die 2. Bundesliga halten und kratzte sogar am Tor zu Liga 1. Im Blizz spricht Christian Keller, Geschäftsführer Profifußball, über die überragende Vorsaison und blickt auf die Spielzeit 2018/19 voraus.

Von Matthias Dettenhofer

Blizz: Wie groß ist die Vorfreude, wenn ab dem 4. August der Ball in der 2. Bundesliga wieder rollt?

Christian Keller: Ich freue mich sehr, dass es bald wieder losgeht. Von Mitte Mai bis jetzt waren es fast drei Monate Pause. Die Phase war aber natürlich sehr, sehr arbeitsreich. Es galt vieles zu regeln.

Steht bis zum Auftakt gegen Ingolstadt der gesamte Kader? Oder muss auf bestimmten Positionen noch nachgesteuert werden?

Neben Julian Derstroff werden wir eventuell noch einen weiteren Offensiv-Spieler unter Vertrag nehmen. Wir müssen hier aber die Entwicklungen in den nächsten Wochen abwarten.

Schaut man sich in der Liga um, wird eher geklotzt als gekleckert. Der Jahn hingegen hat, mit Ausnahme vielleicht von Marcel Correia, eher unbekannte Spieler verpflichtet. Was macht Sie so sicher, dass dieses Konzept auch für die kommende Saison aufgeht?

Zum einen ist nicht der Name entscheidend, sondern die Qualität, die sich hinter dem Namen verbirgt. Man sieht im Profifußball oft, dass nicht der Name Spiele gewinnt, sondern die Leistung des gesamten Kollektivs auf dem Platz. Dass wir nicht die großen Namen holen, hat etwas mit dieser Überzeugung, aber natürlich auch mit wirtschaftlichen Restriktionen zu tun. Wir wissen um die Möglichkeiten der Konkurrenz, weshalb für uns das klare Ziel wieder nur der Klassenerhalt sein kann. Dafür brauchen wir nicht die besten, sondern die richtigen Spieler.

Der Erfolg in der letzten Saison hat sicher Begehrlichkeiten anderer Vereine geweckt. Trotzdem hat Trainer Achim Beierlorzer seinen Vertrag bis 2022 verlängert. Stand sein Verbleib oder der weiterer Leistungsträger nie in der Schwebe?

Ich kann tatsächlich sagen, dass ich außer der Anfrage für Marvin Knoll (jetzt FC St. Pauli Anm. d. Red.), keine einzige offizielle Wechselanfrage für den Trainer oder einen Spieler hatte.

Wie steht es dennoch um das Thema Abgänge? Sollen oder werden Spieler den Club noch verlassen?

Von unserer Seite aus nicht. Wir werden mit dem jetzigen Kader, plus eventuell noch einem Spieler, in die Saison gehen. Außer, es ergibt sich zusätzlich noch etwas, bei dem wir nicht ‚Nein‘ sagen können. Momentan ist ja aber auch noch nicht absehbar, welcher unserer Spieler wie viele Einsatzzeiten bekommen wird. Deshalb kann es schon sein, dass sich der eine oder andere noch verändern möchte. Das muss man einfach abwarten, aber von uns aus ist es nicht angedacht, jemanden abzugeben.

Sie haben einmal gesagt, dass Sie den Jahn zurück in der Region verankern wollen, ihn wieder präsent machen wollen. Wie hat sich das Standing über die letzte Zeit entwickelt? Auch der Blick anderer Vereine auf den Jahn.

Da müssten Sie die anderen Vereine fragen (lacht). Aber im Ernst, die Wahrnehmung des Jahn in Gänze hat sich sicherlich zum Positiven verändert. Besonders wichtig ist mir dabei die Wahrnehmung des Jahn in Regensburg und der Region. Wir sind auf unserem Weg, ein würdiger Botschafter für Ostbayern zu sein, gut vorangekommen, aber eben auch noch lange nicht am Ziel. Die aktuell in der Tendenz positive Wahrnehmung des Jahn ist noch kein stabiler Zustand. Jetzt geht es darum, nachhaltig daran zu arbeiten, dass die aktuelle Begeisterung für den Jahn keine Momentaufnahme bleibt.

Wir müssen weiterhin den Medien, den Sponsoren und der Öffentlichkeit gegenüber ambitioniert, bodenständig und glaubwürdig auftreten. Dann finden sich die Menschen auch im Jahn wieder und sagen‚ das ist der Club, der für uns hier in der Region Fußball spielt. Das ist ein Prozess, der nie endet, auf den wir immer wieder einzahlen müssen. Und das unabhängig vom sportlichen Erfolg, der branchenbedingt immer wieder Schwankungen unterliegen wird.

Was braucht es, dass die kommende Saison für den Jahn eine erfolgreiche ist?

Zum ersten wird die Besin-nung aufs Kollektiv wieder ganz, ganz wichtig sein. Zu wissen, dass das Team über allem, über jedem Einzelnen steht. Zum zweiten ist für mich wichtig, sich wieder beharrlich über unsere Spielidee zu definieren, diese voller Überzeugung umzusetzen, egal gegen wen wir ran müssen. Zum dritten ist es enorm wichtig, auf dem Weg zum Klassenerhalt wieder alle Anspruchsgruppen ins Boot zu holen. Wenn uns Fans, Medien, Sponsoren und Politik mit einer positiven Grundstimmung durch die Saison begleiten, ist das ein wichtiger Erfolgsfaktor. Denn nur in einer positiven Arbeitsat-mosphäre lässt sich eine Top-Leistung abrufen. Schaffen wir das alles, bin ich zuversichtlich, dass wir die Liga wieder halten können.

Vielen Dank für das Gespräch Herr Keller und viel Erfolg für den Saisonauftakt.