Lage für Bewerber so gut wie nie

Regensburg – Für viele Schulabgänger hat Anfang September der „Ernst des (Berufs-)Lebens“ begonnen. Sowohl die Handwerkskammer (HWK) für Niederbayern-Oberpfalz als auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) Regensburg für Oberpfalz/Kelheim verzeichneten zum Ausbil-dungsstart mehr neu abgeschlossene Lehrverträge. Doch noch sind sehr viele Ausbildungsstellen unbesetzt.

Von Mario Hahn

Erfreuliche Nachrichten für die HWK und IHK: Beide verzeichneten in diesem Ausbildungsjahr mehr Lehrlinge.

Ins Oberpfälzer Handwerk starteten 2.573 junge Menschen – ein Plus von 2,14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. „Das ist ein Zeichen dafür, dass sich die Anstrengungen des Handwerks, Nachwuchs zu finden, lohnen“, freut sich Hans Schmitt, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der ansässigen HWK.

Ähnlich sieht es bei der hiesigen IHK aus. Zum Ausbildungsstart gab es 4.253 Neueintragungen – gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 1,3 Prozent. Dennoch: Es sind immer noch viele Lehrstellen unbesetzt!

In Industrie und Handel sind noch rund 650 Stellen frei, das Oberpfälzer Handwerk hat noch 487 Plätze zu vergeben; davon 110 in Stadt und Landkreis Regensburg. Gesucht werden speziell Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Elektroniker, Metallbauer, Kfz-Mechatroniker und Maurer.

Unverständlich, denn die Lage am Ausbildungsmarkt ist für die Bewerberheuer so gut wie nie. Ralf Kohl, Bereichsleiter Berufsbildung der IHK: „Die Unternehmen fördern ihre Auszubildenden mit vielfältigen Aufstiegs- und Fortbildungsangeboten.“

Betriebe müssen ihre Stärken klar kommunizieren

Was für Jugendliche eine ideale Ausgangslage ist, kann für Betriebe eine Herausforderung sein. „In Zukunft sollten die Ausbildungsbetriebe noch kreativer und innovativer bei der Nachwuchswerbung vorgehen, um sich gegen ihren Mitbewerb zu behaupten“, rät Hans Schmidt, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Niederbayern-Oberpfalz. Ist der Azubi gefunden, gilt es, ihn zu halten. „Die Stärken des Handwerks müssen verstärkt kommuniziert werden, sei es das attraktive Beschäftigungsfeld, seien es Aufstiegsmöglichkeiten, flache Hierarchien, die familiäre Atmosphäre oder digitales Arbeiten.“ Unterstützung be-kommen die Betriebe durch Nachwuchskampagnen des bayerischen Handwerks wie „Macher gesucht“ und „Elternstolz“ oder auch durch die bundesweite Imagekampagne des deutschen Handwerks.

Ausbildung im digitalen Wandel

Mit dem digitalen Wandel in der Arbeitswelt verändern sich nunmehr auch die Anforderungen an die Qualifikation der Beschäftigten. Die IHKs reagierten darauf unter anderem mit dem dualen Lehrberuf Kaufmann/-frau im E-Commerce. Ab Anfang August dieses Jahres wird der Beruf schwerpunktmäßig im Einzel-, Groß- und Außenhandel ausgebildet. Der Fachkräftenachwuchs erlernt hauptsächlich kaufmännische Qualifikationen, die auf neue, digitale Geschäftsmodelle ausgerichtet sind – vom Einsatz von Online-Vertriebskanälen bis hin zum Online-Marketing.

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