Ludwig I. war sie ein Dorn im Auge

Regensburg – Irgendwann konnte der bayerische König Ludwig I. nicht mehr anders. Das Drängen der Kaufleute und Fabrikbesitzer aus Ostbayern wurde immer vehementer. Der Wunsch nach Veränderung und Selbstbestimmung war zu stark. Der Monarch knickte letztlich ein – die Geburtsstunde der Industrie- und Handelskammer (IHK) Regensburg für Oberpfalz und Kelheim. Die feiert heuer ihr 175-jähriges Bestehen. Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes und Präsident Gerhard Witzany blickten nun zurück – und legten zugleich den Fokus nach vorne.

Von Mario Hahn

1843 – eigentlich war es ein relativ unspektakuläres Jahr. Die Politik der Restauration hatte die alte Ordnung wiederhergestellt. Die Lage schien stabil. Doch herrschte eine vorsichtige Aufbruchstimmung. „Die Ideen der Aufklärung, das Vorbild der Vereinigten Staaten von Amerika und die Idee des Nationalstaates waren nicht mehr weg-zudenken. Das Bürgertum erstarkte, der Adel verlor zunehmend an Gewicht. Der Wunsch nach Veränderung und Selbstbestimmung lag in der Luft. So auch bei den Kaufleuten und Fabrikbesitzern in Ostbayern“, erklärte IHK-Präsident Gerhard Witzany. Schlussendlich schafften sie es, dass Ludwig I. sechs Handelskammern nach französischem Vorbild genehmigte. Das große Ziel war erreicht: Gemeinsam konnten sie nun ihre eigenen Interessen gegenüber Regierung, Verwaltung und anderen Gruppen besser vertreten.

„11 Geschichten aus 175 Jahren IHK“ – in dem Jubiläumsbuch porträtieren Kriminalautorin Barbara Krohn und der Historiker Dr. Gerd Burger elf Menschen, die eng mit der Historie der IHK und der Region verbunden sind. Mehr Infos unter www.ihk-regensburg.de; 1. Reihe v.li.: Georg Heinrich Brauser
Präsident von 1844 bis 1862, Elisabeth Pustet Filialen in Regensburg, Rom und New York, Dr. Georg Baumann Emaillefabrikant in Zeiten der Industrialisierung, Ludwig von Donle Präsident von 1919 bis 1933;
2. Reihe v.li.: Eva Schwarzhaupt Vom Watmarkt nach Buenos Aires, Jakob Ludwig Oberberger Exakte Zahlen und präzise Winkel, Dr. H.C Wilhelm Seltmann Präsident von 1950 bis 1965; 3. Reihe v.li. Josef Kappenberger Go East! Go West!, Friedl Kitzmüller Die Grande Dame der IHK, Dr. Thomas Brennauer Hauptgeschäftsführer von 1967 bis 1990, Dr. Franz Ehrnsperger 100 % Bio – 0 % Kompromiss Grafiken: IHK Regensburg

175 Jahre – in dieser Zeit fließt viel Wasser die Donau hinab. Die Themen aber veränderten sich im Grunde nur unwesentlich – sei es die Ver-kehrsinfrastruktur, der Außen-handel oder die Berufsbildung. Stichwort Verkehrsinfrastruktur: Was damals die Bahn oder die Binnenschifffahrt war sind heute die Autobahnen. Auch in der Außenwirtschaft – ein Kernthema der IHK – ging es schon früh um die richtige Gewichtung zwischen Freihandel und Schutzzöllen. Witzany: „Bereits 1845 forderte die Handelskammer Regensburg Handelsverträge mit Nordamerika und Brasilien sowie eine Aufhebung der Transportzölle. Die Unternehmer wollten mit ihren Waren raus in die Welt. Freier Handel war aber nicht un-umstritten. Die regionale Wirtschaft sollte nicht durch ‚billige Konkurrenz’ aus dem Ausland geschwächt werden.“ Der Ruf nach Schutzzöllen etwa gegenüber der überlegenen Stoffproduktion in England oder der Eisenherstellung in Belgien wurde lauter. Immer war die IHK um Ausgleich bemüht. Zuletzt aber setzte sich doch der freie Handel als Leitlinie durch. Auch die praxisnahe Aus- und Weiterbildung von Fachkräften ist bis heute eine der zentralen Aufgaben der Handelskammer. Dank der IHK präsentiert sich die Wirtschaft heute in Ostbayern stark wie nie.

Geschichte trifft Zukunft

„Unsere Geschichte ist das Fundament, auf dem die IHK als Stimme der regionalen Wirtschaft steht. Doch bei der Geschichte allein wollen wir es nicht belassen. Wir blicken stetig nach vorne und loten aus, wohin die Reise der Wirtschaft geht“, betonte Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes. Ein großes Thema sei das Megaprojekt „Sechsspuriger Ausbau der A3“. Natürlich gäbe es Heraus-forderungen, doch müsse man diese als Chance sehen. „Als Chance, endlich die Verkehrssituation zu überdenken. Denn wir brauchen einen langfristigen Plan für Regensburg und die umliegenden Gemeinden, um die Wirtschaft für die Zukunft zu rüsten“, formuliert es Dr. Helmes. Weiter wird es existentiell sein, Fachkräfte für die vielen – gerade kleineren – Unternehmen auszubilden. „Denn nicht Akademiker fehlen, sondern Fachkräfte. Hier muss die Politik aktiv werden“, fordert Dr. Helmes. Auch die zu-nehmende Digitalisierung unserer Arbeitswelt werde uns beein-flussen. Da müsse man schnell handeln, um den Anschluss nicht zu verpassen. Und auch den Außenhandel müsse man aufrechterhalten. „Wir wollen die exportstärkste Region in Bayern bleiben.“ Die IHK Regensburg ist mittlerweile in 90 Ländern an 130 Standorten vertreten.