Die magische Welt der Goldenen Zwanziger

Regensburg – „Das Phantom der Oper“ kennen alle. „Nosferatu“ ist der Meister des Grauens. Buster Keatons „Sherlock, Jr.“ verursachte viele Bauchkrämpfe vor Lachen. Bei der Regensburger Stummfilmwoche werden Stars des frühen Kinos wieder lebendig. Und übrigens: Stummfilme sind gar nicht stumm! Hochkarätige Musiker schaffen neue Partituren, interpretieren die Filme auf ihre ganz eigene Weise, tragen sie ins Heute und schenken den Zuschauern einmalige Abende.

Von Mario Hahn

„Das Phantom der Oper“

Lon Chaney alias Erik in „Das Phantom der Oper“
Foto: Lobster Films

Die Pariser Oper. Ein mysteriöses Phantom droht den neuen Direktoren der berühmten Musikbühne mit
einer bevorstehenden Katastrophe, sollte nicht die junge Sängerin Christine Daaé, die Zweitbesetzung der Hauptdarstellerin, deren Part übernehmen. Als die Drohung verhallt, hält das Phantom Wort und verschleppt die junge Frau in sein tief unter der Opernbühne verborgenes Versteck. Der Viscount Raoul Chagny, Christines Geliebter, setzt alles daran, sie aus den Fängen des Phantoms zu befreien. Schöpfer des Stummfilmklassikers „Das Phantom der Oper“ war Rupert Julian, doch der Star ist eindeutig Lon Chaney. Der US-Schauspieler, auch „The Man of Thousand Faces“ genannt, hat die Maskierungen für seine Monster- und Gangsterrollen oftmals bis jenseits der Schmerzgrenze betrieben. Die weltbekannte Geschichte von „Das Phantom der Oper“ wird am 14. August als aufwendig restaurierte Fassung aus dem Jahr 1925 präsentiert. Für die Vertonung sorgen Bertl Wenzl und Markus Stark. Beide Regensburger geben den Gruselfilmen der Stummfilmwoche ihre musikalische Seele zurück.

„Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“

Langsam schleicht der Schatten an der schockstarren Frau empor. Über ihren Bauch, ihre Brust, bis hinauf zu ihrer Kehle. Es sind die finsteren Umrisse langer, dürrer Finger. Sie wendet sich ab, verbirgt ihr Gesicht – entrinnen kann sie ihrem Schicksal nicht. Denn die Hände gehören einem übermächtigen Vampir, den nach ihrem Blut verlangt. Es ist Graf Orlok aus Transsilvanien, der berühmteste Blutsauger der Stummfilmgeschichte. Als „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ 1922 in den Kinos startete, verstörte er die Zuschauer zutiefst – so sehr, dass einige den Hauptdarsteller Max Schreck (der hieß tatsächlich so) sogar für einen echten Vampir hielten. DER Klassiker des deutschen Schauerfilms aus dem Jahr 1921 bringt den Zuschauern das Grauen am 15. August ganz nah. Das Aljoscha-Zimmermann-Ensemble (Violine und Piano) wird das Publikum seine Musik mit Gänsehauteffekt erleben lassen. Vater des „besten Vampirfilms aller Zeiten“ war Friedrich Wilhelm Murnau, der größte, deutsche Avantgardist der Kinokunst.

Termine der Stummfilmwoche

■ 14. August: Das Phantom der Oper (1925)
■ 15. August: Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens (1921)
■ 16. August: Der Gang in die Nacht (1921)
■ 17. August: Michael (1924)
■ 18. August: Spione (1928)
■ 19. August: Sherlock, Jr. (1924)
■ Beginn ist jeweils um 20.30 Uhr
■ Ort: Arkadenhof des Thon-Dittmer-Palais
■ Kartenvorverkauf (zzgl. VVK-Gebühren): Tourist Info im Alten Rathaus und auf www.stummfilmwoche.de; Abendkasse