Jetzt Weichen stellen!

Regensburg – Das neue Ausbildungsjahr hat begonnen. Viele Stellen blieben unbesetzt. Ausbildungsabbrecher kommen noch dazu. Wie kann man dieser Situation für 2019 entgegenwirken? Sind Schnupperpraktika ein Ansatz, um Firmen und Azubis weiterzuhelfen? „Ja“, sagt Hans Schmidt, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz.

Von Matthias Dettenhofer

Blizz: Im September 2019 geht es für viele Azubis los. Wie wichtig ist es, sich schon jetzt Gedanken über eine Ausbildungsstelle zu machen?

Hans Schmidt: Es ist sehr wichtig, sich bereits jetzt Gedanken über eine Ausbildungsstelle zu machen. Wer auf der Suche nach einem passenden Beruf ist, kann sich auf www.handwerk.de/beru fechecker über die Ausbildungsmöglichkeiten im Handwerk informieren. In der Lehrstellenbörse befinden sich mehr als 130 freie Lehrstellen für das kommende Ausbildungsjahr. In den nächsten Monaten werden es wieder weit über 1000 freie Stellen sein. Über unsere Lehrstellenradar-App können Jugendliche freie Lehrstellen in ihrer Nähe finden. Es gibt auch Betriebe, die ihre Angebote nicht veröffentlichen. So kann es sinnvoll sein, bei Handwerksbetrieben in der Nachbarschaft nach freien Lehrstellen zu fragen.

Welche Vor- und Nachteile hat z. B. ein Schnupperpraktikum für zukünftige Azubis, um zu sehen, ob die Firma passt? Im Umkehrschluss stellt sich die Frage auch für den Betrieb.

Ein Schnupperpraktikum hat nur Vorteile; selbst wenn sich in dessen Lauf herausstellt, dass der Beruf nicht passt, ist das eine wichtige Erfahrung. Nicht umsonst läuft unsere bundesweite Imagekampagne für Jugendliche unter #einfachmachen. Im Praktikum erleben junge Leute einen Beruf praxisnah und präsentieren sich dem potentiellen Ausbildungsbetrieb. Das gilt auch umgekehrt. In Zeiten, in denen Lehrlinge knapp sind, bietet ein Betriebspraktikum eine hervorragende Möglichkeit, sich als guter Ausbildungsbetrieb und Arbeitgeber zu präsentieren. Gleichzeitig kann der Betrieb sich ein gutes Bild vom Potential des Bewerbers machen. Ein Vorstellungsgespräch allein kann das nicht.

Halten Sie ein solches Praktikum für sinnvoll und wie lange sollte es dauern?

Absolut. Ideal ist ein möglichst langer Zeitraum, üblich sind ein bis zwei Wochen. Aber selbst wenn es sich nur um einen Schnupper-Nachmittag handelt, ist das besser und praxisnäher als eine Berufsbeschreibung in einer Broschüre. Wir fordern daher seit längerer Zeit, dass Freiraum für Betriebspraktika an allen allgemeinbildenden Schulen zur Verfügung gestellt wird. Dass neben den Mittel- und Realschulen nun an den Gymnasien die berufliche Orientierung einen höheren Stellenwert einnimmt, ist dahingehend eine große Errungenschaft.

Trotz steigender Azubizahlen sind momentan viele Stellen unbesetzt. Könnte ein Schnupperpraktikum ein Mittel gegen fehlende Azubis sein?

Ja. Ein professionell durchgeführtes Praktikum kann sogar ein entscheidendes Instrument bei der Gewinnung von Auszubildenden sein. Wenn bei den Praktikanten ein positiver Eindruck vom Betrieb entsteht, steigt die Wahrscheinlichkeit, die offene Stelle passend zu besetzen.