Oberalteich – Stress spielt in der modernen Lebenswelt eine große Rolle. Davon zeugte der Besucherandrang im Kulturforum Oberalteich beim Gesundheitsabend, veranstaltet von der Klinik Bogen, AOK und Gesundheitsregion plus Straubing. Da die Ursachen und Auswirkungen so vielfältig und doch miteinander verknüpft sind, beleuchteten sie Experten aus unterschiedlichen Fachrichtungen: Kardiologe Dr. Dionys Daller, internistischer Chefarzt der Klinik Bogen, Belegärztin Dr. Ingrid Kölnberger und Dr. Thomas Kral, beide Spezialisten des Orthozentrums Bogen, sowie die Entspannungspädagogin und AOK-Referentin Verena Blindzellner.

Beim Puls keine voreiligen Schlüsse ziehen

„Viele nehmen ihren Puls als beunruhigend wahr“, so Dr. Daller. Doch nicht jede erhöhte Pulsfrequenz sei stressbedingt. Der „kardiologische Wohlfühlbereich“ beim Menschen liege bei 50 bis 80 Schlägen. Vor voreiligen Schlüssen warnte der Herzexperte jedoch: „Mehr Schläge pro Minute kosten nicht automatisch mehr Lebenszeit, denn die gesunde Spanne auf das ganze Leben gerechnet ist beim Menschen mit 2,5 bis 3 Milliarden Schlägen sehr weit.“ Zu unterscheiden sei zwischen „gutem“ und „schlechtem“ Stress. Ersterer wirke motivierend mit positiven Trainings- und Gesundheitseffekten sowie sinkendem Ruhepuls. Streitgespräche oder Erwartungsdruck verändern die Herztätigkeit zum Negativen. Kollektiv messbar waren erhöhte Herzinfarktraten nach den WM-Spielen 2006 oder Katastrophen wie dem 11. September.

Anspannung, Verspannung, Entspannung

Dass der heutige Dauerstress nicht mit dem punktuellen „Steinzeitstress“ vergleichbar ist, erklärte die Orthopädin Dr. Kölnberger: „Die körperliche Stressreaktion ist ein genetisches Programm, das automatisch abläuft und alles im Körper auf eine Fluchtreaktion einstellt. Es war überlebenswichtig für unsere Vorfahren, führt aber heutzutage dazu, dass wir Blackouts, Leere im Kopf, Unwohlsein und Verspannungen verspüren.“ Denken, Fühlen und Bewegungsapparat wirken zusammen. Stress in einem Bereich beeinflusst immer auch alle anderen und mündet schlimmstenfalls in eine Abwärtsspirale: den „Teufelskreis Schmerz“. Dr. Kral veranschaulichte typische Körperregionen, in denen Verspannungen zu Sehnenansatzentzündungen führen können: Schultergürtel, Ellbogen, Becken und Hüfte, Füße und Wirbelsäule. Bekannt seinen Tennisellbogen oder Fersensporn, aber auch der stechende, vom Nacken in den ganzen Kopf hinein ausstrahlende Schmerz.

Praktische Tipps zum „Runterkommen“

Verena Blindzellner gab dem Publikum praktische Übungen auf den Weg, um es gar nicht so weit kommen zu lassen: die positive Beeinflussung der eigenen Gedanken, Entspannungstraining zum Abschalten am Abend, Achtsamkeitsübungen, um die Aufmerksamkeit auf sich selbst und die Signale des Körpers zu richten, sowie bewusste Gedankenstopps in Konfliktsituationen mit Atemtechniken.