Sport

Das Jahr 2017 war einfach nur Jahnsinnig!

Daumen hoch nach dem sensationellen Aufstieg: Marvin Knoll und Christian Keller in der Allianz Arena Foto: Johannes gatzka

Christian Keller im Blizz-Interview

Blizz-Redakteur Mario Hahn blickt mit Christian Keller, Geschäftsführer Profifußball des SSV Jahn Regensburg, auf eine erfolgreiche und emotionale Zeit zurück – der Höhepunkt war ganz klar der Aufstieg in die 2. Bundesliga.

Mario Hahn: Mit dem 3:2-Sieg gegen Arminia Bielefeld legte sich der Jahn selbst das schönste Geschenk unter den Weihnachtsbaum.

Christian Keller: Der Sieg im letzten Spiel war für uns das i-Tüpfelchen auf das ohnehin schon erfolgreiche Jahr 2017. Die Mannschaft hat noch einmal alles investiert und wollte unbedingt gewinnen. Wir sind sehr glücklich, dass wir das Jahr erfolgreich abschließen konnten.

2017 hatte viele Höhepunkte zu bieten: An was denken Sie persönlich am liebsten zurück?

An erster Stelle sind natürlich die Relegationsspiele gegen den TSV 1860 München zu nennen. Gerade das Rückspiel vor dieser Traumkulisse von 62.000 Zuschauern in der Allianz Arena, davon eine rote Wand von rund 7.000 Jahn-Fans, wird immer in Erinnerung bleiben. Es gab aber noch viele weitere tolle Momente in diesem Jahr. Ich persönlich denke ganz besonders gerne an die Aktion der Hans Jakob Tribüne nach dem bitteren 2:5 im Pokal gegen Heidenheim zurück. Die Fans haben die Spieler trotz der herben Niederlage noch lange nach dem Spiel angefeuert bzw. besungen und mit ihrer Loyalität damit wesentlich geholfen, die Mannschaft wieder aufzubauen. Das war keine Selbstverständlichkeit und eine überragende Geste an die Mannschaft. Diese Aktion hat auch gezeigt, dass über die letzten Jahre hinweg wieder vieles beim Jahn zusammengewachsen ist, was zusammen gehört.

Nach Heiko Herrlich hatten Sie mit Achim Beierlorzer abermals ein glückliches Händchen. Wie bewerten Sie die Arbeit des neuen Trainers?

Das kann ich mit wenigen Worten tun, indem ich festhalte, dass Achim Beierlorzer mit seinem Auftreten auf und neben dem Platz seit seinem ersten Tag exzellente Arbeit für den Jahn leistet.

Welche Eigenschaften zeichnen Achim Beierlorzer aus?

Erstens passt er mit seiner Persönlichkeit sehr gut zum SSV Jahn, denn er steht für die Jahn-Markenwerte Ambition, Bodenständigkeit und Glaubwürdigkeit. Zweitens schafft Achim mit seiner authentischen und sehr kommunikativen Mannschaftsführung ein Arbeitsklima, in dem sich unsere Spieler tagtäglich in allen Leistungsbausteinen weiterentwickeln können. Und drittens setzt er mit seiner Arbeit auf dem Platz die Jahn-Spielphilosophie natürlich auch ganz hervorragend um.

Kaum jemand spricht über das Trainerteam dahinter? Wie viel Anteil am aktuellen Erfolg hat die „zweite Garde“?

Im Fußball fokussiert sich die Aufmerksamkeit – wie in vielen anderen Lebensbereichen auch – vor allem auf die Personen, die an der Spitze stehen. Diese Personen, also auch der Chef-Trainer, können aber immer nur dann erfolgreich sein, wenn auch die Leute hinter der Spitze sehr gute Arbeit leisten. Quer über alle Geschäftsfelder des Jahn hinweg gilt deshalb, dass allen voran auch die Mitarbeiter aus der zweiten Reihe einen Löwenanteil daran haben, dass sich der Jahn als Gesamtgebilde positiv entwickelt hat.

Die Jahn-Mannschaft, von Ihnen zusammengesetzt, begeisterte das ganze Jahr über. Was ist, neben der mannschaftlichen Geschlossenheit, deren große Stärke?

Das funktionierende Kollektiv steht tatsächlich über allem und ist unser höchstes Gut. Darüber hinaus hat die Mannschaft aber auch gezeigt, dass sie eine hohe fußballerische Qualität hat. Die meisten Spiele, die wir siegreich gestalten konnten, haben wir mit sehr guten Leistungen verdient für uns entschieden. Und auch in den meisten Spielen, die wir nicht gewinnen konnten, waren wir zumindest auf Augenhöhe. Die Mannschaft zeichnet außerdem ihre Siegermentalität aus. Die Jungs geben nie auf und glauben auch in schwierigen Situationen an den Erfolg.

Werden Sie in der Winterpause auf dem Transfermarkt, so wie wohl viele der Konkurrenten auch, aktiv werden? Und wenn ja, in welchen Mannschaftsteilen könnte Ihrer Meinung nach Bedarf bestehen?

Wir sind mit dem Kader sehr zufrieden und die Spieler genießen unser volles Vertrauen. Trotzdem ist es natürlich so, dass wir den Markt immer sondieren. Es ist möglich, dass wir im Sturm noch etwas machen. Aktuell haben wir in Marco Grüttner, Jonas Nietfeld und Sargis Adamyan nur drei nominelle Stürmer im Kader, spielen aber immer mit zwei Angreifern im Zentrum. Eine Verpflichtung auf dieser Position könnte also Verletzungen vorbeugen und auch den Weggang von Markus Ziereis kompensieren. Seinen Kaderplatz haben wir ja nie nachbesetzt. Voraussetzung für eine Verpflichtung ist aber, dass ein potenzieller Neuzugang zum Jahn, zu unserer Mannschaft und in unseren finanziellen Rahmen passt. Andernfalls gibt es auch im bestehenden Kader einige Spieler, die bei Bedarf ins Sturmzentrum rücken könnten.

Mit 25 Punkten beendete der Jahn das 2.-Liga-Jahr. Eine tolle Ausbeute. Wie viele Punkte sind Ihrer Meinung nach in dieser ausgeglichen Liga nötig, um sicher drin zu bleiben?

Es sieht momentan danach aus, dass am Ende der Saison die magische Grenze von 40 Punkten erreicht werden muss, um den Klassenerhalt zu schaffen. Das bedeutet für uns im Umkehrschluss, dass der Weg bis zum Erreichen unseres großen Zieles noch sehr weit ist. Es ist wichtig, dass wir die aktuelle Punktanzahl nicht überwerten, weil die Abstände nach unten sehr gering sind. Wir müssen deshalb auch in jedem Spiel in der Rückrunde alles, was wir zu leisten im Stande sind, in die Waagschale werfen, um die noch erforderlichen Punkte zu holen. Der Klassenerhalt wäre ein historischer Erfolg – womöglich der größte in der langen, traditionsreichen Geschichte des Jahn.

Herr Keller, vielen Dank für das angenehme Gespräch.

  1. onki

    aha.
    der Jahn „beendete mit 25 Punkten die 2. Liga-Saison“…
    Fake-News?

    • Matthias Dettenhofer

      Na ja, in der Überschrift heißt es: „Das Jahr 2017 war einfach nur Jahnsinnig!“ Ich denke, man kann es schon richtig verstehen, wenn man möchte…

Schreibe eine Antwort