Sabine Thiele (RTG) und Susanne Kammerer (Landkreis) wissen um die Attraktivität von Stadt und Landkreis

Die Domstadt ist attraktiv. Es kommen Jahr für Jahr tausende Touristen nach Regensburg. Sie kurbeln die Wirtschaft an und schaffen Arbeitsplätze. Aber, das Leben in der Stadt wird auch schwieriger. Verstopfte Gassen, eine überlaufene Steinerne Brücke. Es ist nicht alles Gold was glänzt. Sabine Thiele, Geschäftsführerin der Regensburg Tourismus GmbH (RTG), im Blizz-Interview über Chancen und Verträglichkeit des Tourismus.

Von Matthias Dettenhofer

Blizz: Das Bayerische Wirtschaftsministerium bestätigt: „Urlaub in Bayern ist In.” Die Touristenzahlenahlen sind gestiegen. Wie schaut es zum Vergleich in Regensburg aus?

Sabine Thiele, RTG-Geschäftsführerin

Sabine Thiele: Das ist richtig. „Urlaub in Bayern ist In“. Das bestätigt auch die Erhebung der Reiseanalyse 2017 zu den Urlaubsmotiven der Deutschen. Hier liegen Badeurlaub (22 Prozent), Familienurlaub (19) und Erholungsurlaub (19) mit Abstand an den ersten drei Stellen. Regensburg ist jedoch ein klassisches Städtereiseziel. Urlaubstourismus und Städtetourismus direkt zu Vergleichen ist schwierig. Regensburg hat dennoch bei den Ankünften im ersten Halbjahr um 0,3 Prozent zulegen können.

Wie steht Regensburg im Vergleich zu anderen bayerischen Städten da?

Sehr gut. Lässt man die Großstädte München und Nürnberg im direkten Vergleich außen vor, liegt Regensburg bei den Ankünften auf Platz zwei hinter Würzburg und bei den Übernachtungszahlen an erster Stelle. Somit konnte sich Regensburg – nach den Metropolen München und Nürnberg – weiterhin auf dem dritten Platz im bayernweiten Vergleich halten.

Von welcher Art von Touristen profitiert die Domstadt mehr, Tagestouristen oder Übernachtungsgäste?

Die Stadt profitiert von jedem Gast. In der Studie des dwif e.V. aus München (Deutsches Wirtschaftswissenschaftliches Institut für Fremdenverkehr) wird der Umsatz für einen Übernachtungsgast mit touristischem Reisemotiv in Regensburg mit rund 168 Euro pro Tag angegeben. Für den Tagestouristen rechnet man konservativ mit rund 38 Euro pro Tag (Zahlen aus 2015).

Was würden Sie einem alteingesessenen Altstadtbewohner antworten, der sich darüber beschwert, dass Regensburg mehr und mehr zur Touri-Kulisse wird und das Lebenswerte immer weiter verschwindet?

Wir nehmen die Sorgen der Bürger ernst. Vom Tourismus in der Region jedoch profitieren alle. Der Wirtschaftsfaktor bildet die Existenzgrundlage für Gastwirte, Einzelhändler, Kulturanbieter und Hoteliers, genauso wie für andere Dienstleister. Da im Urlaub das Portemonnaie bekanntlich lockerer sitzt und mehr spontan ausgegeben wird, profitiert die ganze Stadt. Zusätzlich steigert die touristische Infrastruktur auch den Mehrwert für die Einwohner. Sie profitieren zum Beispiel von der Vielfalt verschiedener Restaurants, kultureller Einrichtungen, durch Rad- und Wanderwege oder öffentlichen Verkehrsmitteln. Zudem: Tourismus ist eine Branche, wo man die Arbeitsplätze nicht exportieren kann, diese sind immer an den Ort gebunden.

Viele Regensburger meiden „ihre“ Steinerne Brücke und die Altstadtgassen, weil es kaum ein Durchkommen gibt. Ist die Stadt nicht langsam am Limit, was die Kapazitäten an Tagestouristen angeht?

Vor kurzem wurde die Zwischenpräsentation zur Tourismuskonzeption vorgestellt. Die Regensburger Einwohner sind stolz auf ihre attraktive Stadt und leben ausgesprochen gern hier. Zentrales Zukunftsthema ist dabei die Balance zwischen den Bedürfnissen der Altstadteinwohner und denen der auswärtigen Besucher zu finden. 83 Prozent aller Bürger halten das für wichtig bis sehr wichtig. Und auch aus Sicht der Akteure muss die Tourismuskonzeption hier wegweisende Handlungsempfehlungen für die Zukunft erbringen.

Für den Landkreis steht Susanne Kammerer dem Blizz Rede und Antwort

Auch im Landkreis Regensburg befindet sich der Tourismus im Aufwärtstrend. Susanne Kammerer, Sachgebietsleiterin Tourismus und Naherholung im Landkreis Regensburg, kennt die Gründe und weiß, was zu tun ist, um diese Entwicklung beizubehalten. 

Blizz: Wie ist es allgemein um die touristische Auslastung im Landkreis Regensburg bestellt?

Susanne Kammerer Foto: Landkreis Regensburg

Susanne Kammerer: Der Tourismus des Landkreises Regensburg erfreut sich seit 2011 einem steten Aufwärtstrend. Bezogen auf das Jahr 2016 kann der Landkreis zum sechsten Mal in Folge auf ein Rekordergebnis bei den jährlichen Übernachtungszahlen blicken.

Gibt es bestimmte Gebiete, die besser besucht sind?

Insgesamt ist der Landkreis aufgrund seiner landschaftlichen Vielfalt und der Angebotsstruktur an Leistungsträgern im Bereich Donautal, „Regensburger“ Jura und bis zum Vorderen Bayerischen Wald hinüber stärker touristisch geprägt als der Süden.

Wie kann der Landkreis den Tourismus in der Region noch attraktiver gestalten?

Um sich als Landkreis erfolgreich zu profilieren, ist es grundlegend wichtig, eine gute Angebotsqualität bereitzuhalten. Qualitätssicherungen von Rad- und Wanderwegen wie dem Jurasteig, Klassifizierungen von Leistungsträgern wie etwa die Sterneklassifizierung von Privatvermietern und insgesamt eine nachhaltige Weiterentwicklung sind ausschlaggebend.

Gibt es auf dem Tourismus-Sektor eine Kooperation zwischen Stadt und Landkreis Regensburg?

Beim Tourismus arbeitet der Landkreis intensiv mit der Stadt Regensburg zusammen. Mit der Regensburg Tourismus GmbH konnte in den letzten Jahren die Marketingkooperation erfolgreich ausgebaut werden. Ein gemeinsam vermarktetes Angebot der „Region Regensburg“ bietet aufgrund seiner Vielfalt von Städte-, Kultur- und Naturangeboten die Chance, dass längerfristig auch die Aufenthaltsdauer steigt.