Regional

Streetworker Ben Peter am Brennpunkt

Caritas-Streetworker Ben Peter kümmert sich seit sieben Jahren um die Belange von Suchtkranken, Obdachlosen oder gesellschaftlich Gefallenen Foto: Privat

„Nähe erzeugen, Distanz wahren“

Streetworker Ben Peter unterstützt Süchtige im Behördendschungel und hört ihnen zu

Unserer Stadt geht es ausgezeichnet. Es herrscht Vollbeschäftigung und die Auftragsbücher der hier ansässigen Unternehmen sind voll. Kein Grund zur Klage also. Doch, schon. Denn wie in jeder größeren Stadt gibt es auch in Regensburg diejenigen, die in einer Parallel-Gesellschaft leben. Ausgestoßen, alkoholkrank oder drogenabhängig. Wohnungs- und perspektivlos. Genau um diese Menschen kümmert sich Caritas-Streetworker Ben Peter täglich, hört zu und hilft bürokratische Hürden zu umschiffen.

Von Matthias Dettenhofer

„Im vergangenen Jahr haben wir wieder zehn bis zwölf Menschen verloren“, erklärt Ben Peter. Verloren bedeutet in diesem Zusammenhang leider nichts anderes als der Tod. In den Büroräumen des Streetworkers in der Bruderwöhrdstraße hat er ihre Todesanzeigen an eine Tür gepinnt. „Zum Andenken“, wie er sagt. Denn wenn am Dienstag und Donnerstag seine Klienten zum Frühstück vorbeikommen, dann erinnern sie sich oft an ihre Weggefährten, und zudem ist es eine Art Mahnmal für die Süchtigen, vielleicht doch noch den Absprung zu schaffen.

Ein harter Job. Seit sieben Jahren ist Ben Peter bereits der Ansprechpartner für Süchtige und für solche, die gerade versuchen, ihr Leben wieder in geordnete Bahnen zu lenken. „Ich helfe bei Behördengängen, Wohnungssuche oder bei sonstigen Problemen.“ Und diese sind vielfältig: Drogen, Alkohol, Tabletten und Obdachlosigkeit sind Peters tägliche Begleiter. Etwa zwei Stunden pro Tag dreht er seine Runde am Regensburger Hauptbahnhof, in der Albertstraße oder auch einmal am Arnulfsplatz. Er hört zu, spricht und gibt Ratschläge.

Angefangen hat alles mit einem Praktikum in Plauen. „Ich spreche ein wenig tschechisch und habe mich nach meinem Sozialwissenschaftsstudium dort um Kinder und Frauen vom Straßenstrich gekümmert. Da habe ich festgestellt, dass es mir unglaublich Spaß macht, Menschen zuzuhören.“ Berührungsängste kennt der Sozialarbeiter dabei keine. „Du musst halt wissen, wie nahe du jemanden an dich heran lässt.“ Nähe erzeugen, Distanz wahren heißt das Kunststück. Ein schmaler Grat. Doch oftmals ist das gar nicht so einfach. „Süchtige oder Personen mit Borderline versuchen einen schon zu manipulieren, da braucht es halt einmal mehr eine klare Ansage“, lacht Peter.

Rund 200 bis 300 Personen betreut Peter so pro Jahr. Zartbesaitet darf er natürlich nicht sein. „Ich versuche alles abzustreifen, wenn ich nach Hause gehe.“ Dennoch ist sein Job schon manchmal frustrierend. „Wenn ich heute am Bahnhof stehe und mir die Leute anschaue, dann sind aus meiner Anfangszeit kaum noch welche übrig. Entweder sie sind weggegangen oder gestorben.“ So kommt es schon mal vor, dass auch Peter selbst den Rettungsdienst anrufen muss, weil sich jemand eine Überdosis Heroin gesetzt oder der Cocktail aus Alkohol und Tabletten zu stark war.

Neben der Drogenproblematik fällt für Ben Peter auch so noch jede Menge Arbeit an. „Gerade in den letzten Wochen wo es so eisig kalt war, kommt wieder das Wohnungsproblem zum Tragen.“ Oft wissen seine Klienten nicht, wo sie hin sollen. „Sie kommen kurze Zeit bei Bekannten unter, doch die wollen natürlich auch eine Gegenleistung haben. Seien es Geld, Drogen, Alkohol oder Sex.“ Ein Teufelskreis.

Trotz, oder gerade wegen, dieser Erlebnisse findet Peter seine Arbeit so spannend. „Es macht mir Spaß. Die Menschen freuen sich, weil ihnen jemand zuhört und mit nützlichen Tipps zur Seite steht.“

  1. Beck Birgit

    Danke, Ben Peter, dass du diese wichtige Arbeit machst. Danke für deine Empathie!

  2. Thomas Irnstetter

    Ein ehrenwerter Mensch und Helfer in unserer Mitte !!!

    Danke Ben Peter

  3. C. Weiss

    Ich bin sehr froh, dass es noch Menschen wie Ben Peter gibt. Er leistet wirklich ausgezeichnete Arbeit in Regensburg und kümmert sich um die, die vom Rest der Gesellschaft vergessen wurden.

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