„Eine Bereicherung für unser Leben“

Wie zwei Pflegekinder das Leben von Doris und Thomas Wittmann zum Positiven veränderten

Regensburg – „Es sind die vielen Kleinigkeiten, die das Leben bereichern. Etwa im Schnee herumtollen. Wir beide alleine hätten das mit Sicherheit nicht gemacht“, erzählt Doris Wittmann. Sie und ihr Mann Thomas sind seit gut einem halben Jahr Pflegeeltern von Katharina und Jasmin (Namen der Kinder geändert). „Und extrem glücklich darüber!“ So wie den beiden Regensburgern könnte es auch anderen Paaren gehen, denn das Jugendamt sucht händeringend nach Pflegeeltern!

Von Mario Hahn

Der Kinderwunsch war da, „es hat aber einfach nicht geklappt“, sagt Doris Wittmann (35). Doch aufgeben kam für sie und Thomas (52) nicht in Frage. „Dann haben wir in der Mittelbayerischen Zeitung eine Geschichte über eine Pflegefamilie aus Lappersdorf gelesen – wir waren begeistert.“ Es folgte die Kontaktaufnahme mit dem Jugendamt, alles lief relativ problemlos. „Sie haben uns in jeder Hinsicht unterstützt“, lobt Thomas.

Seit August leben nun Katharina, zweieinhalb Jahre, und Jasmin, dreieinhalb Jahre, bei den Wittmanns. Die Geschwister stammen aus schwierigen familiären Verhältnissen, waren anfangs traumatisiert. Jetzt sind sie das blühende Leben, aufgeweckt, fröhlich und immer auf Achse. „Seit sie da sind, habe ich bestimmt drei Kilo abgenommen“, lacht die Mutter, die ständig hinterherrennen muss.

„Eigentlich“, verrät Thomas, „wollten wir nur ein Pflegekind, doch wir hatten beide sofort ins Herz geschlossen – und wir wollten sie auch nicht mehr trennen. Die richtige Entscheidung!“ Trotzdem: Die Umstellung war schon groß. „Plötzlich von 0 auf 200. Das war eine logistische Herausforderung. Wir hatten ja nur für ein Kind alles besorgt.“

Doris und Thomas Wittmann sind überglücklich. Seit August 2016 sind sie Pflegeeltern

Heute ist alles bestens. Katharina und Jasmin haben das Leben der Familie Wittmann extrem bereichert – und verändert. Plötzlich ist der Alltag viel strukturierter. „Es fehlt zwar nun ein gewisses Maß an Spontaneität, aber das macht nichts, dafür bekommen wir viel mehr zurück. Beispielsweise, wenn sich die Kleinen dir um den Hals werfen, dich drücken und dir damit sagen ‚Ich hab dich lieb’ – ganz ohne Worte.“ Doris und Thomas sind begeistert. „Endlich sind wir komplett!“

Genauso wie den Witmanns könnte es auch anderen Paaren gehen – und Kindern. Nicht allen ist es vergönnt, unbeschwert und behütet aufzuwachsen. So wie es jetzt Katharina und Jasmin erleben dürfen.

Denn die traurige Wahrheit ist: Immer wieder muss das Jugendamt einschreiten und benachteiligte Kinder in Obhut nehmen. Viel öfter, als die meisten denken. Derzeit sind circa 100 Kinder in Vollzeitpflege bei Pflegefamilien untergebracht.

Aktuell sucht das Amt für Jugend und Familie für zwei Geschwisterkinder dringend Pflegeeltern. „Im vergangenen Jahr haben sich so wenige Familien gemeldet, die Pflegeeltern werden möchten, dass nicht mehr sicher ist, ob wir für alle Kinder, für die wir Pflegeeltern suchen, auch welche finden“, berichtet Franz Dorner vom Pflegevermittlungs-Team des Jugendamtes. Wer sich dazu entschließt, einem Kind ein Zuhause zu geben, dem bietet das Amt für Jugend und Familie sowohl Unterstützung bei der Vorbereitung auf die Pflegeelternschaft als auch fachliche Beratung und Begleitung während der gesamten Zeit an. Ein monatliches Pflegegeld und die Möglichkeit, Elternzeit in Anspruch zu nehmen, sollen die Situation weiter erleichtern.

Interessierte wenden sich an Franz Dorner unter Tel.: 0941/ 5074510 oder Verena Deubler unter Tel.: 0941/5074513, beide vom Amt für Jugend und Familie.