Bauunternehmer wollen Zeichen setzen – Bau ist nicht gleich Bau

Ortsansässige Bauunternehmer sind darüber verärgert, dass im Zusammenhang mit der aktuellen Spendenaffäre einer der drei Beschuldigten oftmals als „Bauunternehmer“ statt als „Geschäftsführer einer Bauträgergesellschaft“ bezeichnet wird. Dabei spricht selbst die betriebseigene Homepage des Unternehmens des betroffenen Beschuldigten von – so der Wortlaut – „nun 30 Jahren Erfahrung als Großbauträger in Regensburg und Umgebung“.

Hierzu Christian Huber, Geschäftsführer der Bauinnung Regensburg: „Bei mir haben sich viele Inhaber unserer 370 Mitgliedsbetriebe, die wir rund um Regensburg, Schwandorf, dem Landkreis Kelheim sowie in der gesamten Oberpfalz vertreten, gemeldet mit dem Wunsch nach einer Richtigstellung bzw. Konkretisierung. Unsere Bauunternehmer fühlen sich durch die unpräzise Begriffsverwendung in ihrer Handwerkerehre betroffen. Aus ihrer Sicht wird ihr Berufsstand, auf den sie mit Recht stolz sind, zu Unrecht mit der bundesweit bekannt gemachten Spendenaffäre in Verbindung gebracht. Es ist ihnen gerade auch aufgrund der zu allgemein gehaltenen negativen Darstellung der Bauwirtschaft in der Vergangenheit besonders wichtig, dass nicht alle in der Baubranche Tätigen stets über einen Kamm geschoren werden. Sie wollen nicht als Sündenbock für jedes auftretende Problem rund um den Bau herhalten. Handwerkerehre eines Bauinnungsbetriebes bedeutet zunächst zu einem selbst verursachten Problem zu stehen und es aus der Welt zu schaffen. Sie erfordert es aber auch, bei feststehender Verursachung durch Dritte auf die fehlende eigene Schuld klar hinzuweisen – sei es als einzelner Betrieb oder als Gemeinschaft aller Bauunternehmer. Zur Verbesserung des angekratzten Images in der Öffentlichkeit ist ihnen sehr daran gelegen, ein deutliches Zeichen dafür zu setzen, dass Bau nicht gleich Bau ist, es also klare Unterschiede zwischen den an Bauprojekten Beteiligten gibt.“

In der Tat bestehen zwischen Bauunternehmen und Bauträgern wesentliche Unterscheidungsmerkmale.

Ein Bauträger ist ein Unternehmer, der Wohn- und/oder Gewerbeimmobilien in eigenem Namen zum gewerbsmäßigen Vertrieb erstellen lässt.

Wesentlicher Aspekt der Bauträgertätigkeit ist es -im Gegensatz zum Bauunternehmer-, dass der Bauträger dem Erwerber in der Regel das Eigentum an einem Grundstück einschließlich des auf diesem Grundstück zu erstellenden Objektes verschafft. Grundlage ist dabei generell ein notariell zu beurkundender Bauträgervertrag, der kauf- und werkvertragliche Elemente enthält.

Bauträgergesellschaften lassen im eigenen Namen und auf eigenes Risiko bauen und sind bei der Vertragsgestaltung des Bauträgervertrages an die Vorgaben der Makler- und Bauträgerverordnung (MaBV) gebunden. Außerdem benötigen sie für die zulässige Ausübung der Bauträgertätigkeit eine spezielle gewerberechtliche Erlaubnis nach § 34 c Gewerbeordnung.

Bauträger haben bis zur Übergabe des Bauobjektes an den Erwerber in der Regel die Stellung eines Bauherrn inne und vergeben, da sie im eigenen Betrieb nicht auf die Erbringung von handwerklichen Bauleistungen durch eigenes Personal eingerichtet sind, diese per Bauvertrag im eigenen Namen an die bauausführenden Bauunternehmen.

Die Leistungen des Bauträgers lassen sich in organisatorischer, kaufmännischer und gesamtwirtschaftlicher Hinsicht als Baumanagement zusammenfassen. Nicht selten stehen an der Spitze von Bauträgern Personen mit kaufmännischer Qualifikation.

Ein Bauunternehmer dagegen erbringt im Auftrag des Bauherrn reine Bauleistungen. Dies erfolgt auf Basis eines Werkvertrages mit der Rechtsgrundlage der VOB/B (=Allgemeine Vertragsbedingungen für die Ausführung von Bauleistungen) bzw. des Bürgerlichen Gesetzbuches (= BGB-Bauvertrag). Der Bauunternehmer überträgt kein Eigentum an einem Grundstück.

Auch Bauunternehmer bieten -ohne Bauträger zu sein- als Generalunternehmer, Generalübernehmer bzw. Schlüsselfertigbauer die komplette Erstellung von Bauobjekten an. An der Spitze der meisten Bauunternehmen stehen Techniker wie Handwerksmeister oder Ingenieure.