Johannes Zettel, Projektgruppe Jahn-Turm: „Das ist der Jahn, da bin ich gern“

Regensburg – Längst rollt der Ball in der Continental Arena. Die Fans des SSV Jahn Regensburg haben sich eingewöhnt und die Stimmung auf der Hans Jakob Tribüne ist bei den Heimspielen gigantisch. Und dennoch fehlt den treuen Jahn-Anhängern ein Stück Geschichte. Etwas woran ihr Herz hängt und womit sie sich identifizieren können. Nun stellte die „Projektgruppe Turm“ einen Entwurf vor, wie der alte Jahn-Turm als neues Element in den neuen Fußballtempel an der A3 eingebaut werden kann.

Von Matthias Dettenhofer

Architekt, Jahn-Fan und Mitglied der „Projektgruppe Turm“: Johannes Zettel Foto: privat

Riesige, verschlammte Schuttberge türmen sich, wo einst die Spieler des SSV Jahn Regensburg Punkten und Toren hinterherjagten. Nichts steht mehr von der zugigen Tribüne mit ihren Holzbänken. Einzig der „Turm“ mit seiner Uhr und den beiden Toranzeigen ragt wie ein Überbleibsel aus längst vergangenen Zeiten aus den Ruinen des Stadions an der Prüfeninger Straße. Das Westenviertel entsteht. Alles wird neu gebaut. Alles, bis auf den „Turm“, denn der bleibt mit einigen Tribünen-Stufen am Sportplatz der neuen Kreuzschule stehen. Statt der brasilianischen Zauberer vom Zuckerhut während der Olympischen Spiele 1972 also in Zukunft Schulsport.

Ein Stück Regensburger Sportgeschichte

So ist der Jahn-Turm allen in Erinnerung. Der Fels in der Fan-Brandung

Dabei sollte er doch abgebaut und als Zeichen der Identifikation vor der Continental Arena wieder aufgebaut werden. Daraus wird jedoch nichts. „Die Bausubstanz ist zu marode. Der Aufwand ihn ab- und wieder aufzubauen ist einfach zu groß“, erklärt Architekt Johannes Zettel, Mitglied der zwölf-köpfigen „Projektgruppe Turm“. Diese musste also eine andere Lösung finden, um ein Stück Regensburger Sportgeschichte aus der Vergangenheit in die Geschichte der Zukunft einzubauen.

Schon beim Stadionneubau kam die Idee auf den Jahn-Turm zu integrieren, die Prioritäten lagen aber doch anders. Und die Fans beklagten, bei aller Begeisterung für die neue Arena, dass es keinen Fan-Treff gebe. Eine Lösung musste her und die Projektgruppe hat eine gefunden. „Es entsteht links vor der Arena einen originalgetreuen Nachbau des alten Turms.“, erklärt Zettel. „Der Neubau soll Identifikationssymbol, Markenzeichen, Zeitzeuge und Fan-Treffpunkt werden.“

Jahn-Turm, einzigartiges Projekt in Deutschland

Ein kluger Schachzug der Macher. Seit 1949 stand der Turm im Jahnstadion eben genau dafür. Nun soll der Neubau in seine Fußstapfen treten. „Durch seine Architektur und sein ausgeklügeltes Infotainment-Konzept, zwölf Säulen, symbolisch für die Jahn-Elf plus die Fans als zwölfter Mann, ist das Projekt einzigartig in ganz Deutschland.“

Für den bekennenden Jahn-Anhänger Zettel ist das Projekt eine Herzensangelegenheit. Bereits in seiner Master-Arbeit hat er sich mit dem Zusammenspiel von Architektur und Fußball auseinander gesetzt, mit vielen Fans in Online-Foren diskutiert. Die Resonanz war immer die gleiche. „Fußballfans haben allesamt ein Grundbedürfnis an Nostalgie. Sie wollen Emotionen nicht nur auf dem Platz, sondern auch drum herum.“ Beispiele dafür gibt es viele: „Die Uhr im Emirates Stadium in London wurde aus dem alten Highbury mitgenommen, das neue Stadion in Leipzig wurde in das alte Zentralstadion hineingebaut und die Münchner Löwen erleben, seitdem sie wie im Grünwalder Stadion spielen einen wahren Zuscherboom, trotz Viertklassigkeit.“

Man muss also entweder warten bis das neue Stadion selbst Emotionen produziert und Kultstatus erreicht, was jedoch 20 bis 30 Jahre dauern würde, oder man hilft etwas nach. „Wenn die Leute sagen ‚Das ist der Jahn, da bin ich gern‘, dann haben wir alles richtig gemacht.“