Vorstellung des „Förderprogramm Digitalbonus.Bayern“ und die Integration von geflüchteten Menschen in den regionalen Arbeitsmarkt waren Thema

Rund 60 Unternehmer, Personalverantwortliche und Führungskräfte aus der Region  waren am Mittwochabend auf Einladung der Wirtschaftsförderung des Landkreises zu einer Informations- und Diskussionsrunde ins Landratsamt gekommen. Auf dem Programm stand zum einen die Integration geflüchteter Menschen in den regionalen Arbeitsmarkt. Zum anderen stellte Dr. Robert Feicht von der Regierung der Oberpfalz das neue Förderprogramm „Digitalbonus.Bayern“ vor, das kleine und mittlere Unternehmen bei der Digitalisierung unterstützen soll.

Die Welt werde immer schnelllebiger, wobei vor allem die Digitalisierung eine enorme Rolle spiele. Damit sich auch kleine und mittlere Unternehmen aus der Region für die Herausforderungen der digitalen Welt rüsten und am Arbeitsmarkt konkurrenzfähig bleiben können, gebe es Unterstützung durch den „Digitalbonus.Bayern“. Dieses Förderprogramm helfe den Betrieben bei der Digitalisierung ihrer Produkte, Prozesse und Dienstleistungen durch entsprechende Hard- und Software. Darüber hinaus unterstütze es die Migration und Portierung von IT-Systemen und -Anwendungen. Mit dem Digitalbonus könne zudem die IT-Sicherheit in ein Unternehmen eingeführt oder, falls schon vorhanden, verbessert werden. Um das Programm in Anspruch nehmen zu können, müsse ein Unternehmen weniger als 250 Mitarbeiter beschäftigen, erklärte Dr. Robert Feicht den Anwesenden zu Beginn der Veranstaltung.

Der Schwerpunkt des Abends lag auf der Integration geflüchteter Menschen in den regionalen Arbeitsmarkt. Dr. Christine Scharf-Haggenmiller von der Agentur für Arbeit, Birgitt Ehrl, Geschäftsführerin vom Jobcenter der Stadt Regensburg, und Ulrich Merl, Geschäftsführer vom Jobcenter des Landkreises, stellten dabei aktuelle Zahlen und Daten, die den regionalen Arbeitsmarkt betreffen, sowie mögliche Förderinstrumente vor. Die Arbeitslosenquote im Raum Regensburg sei seit Jahren niedrig und daher herrsche mittlerweile in vielen Wirtschaftsbereichen ein Fachkräftemangel beziehungsweise -engpass vor, erklärte Scharf-Haggenmiller. Anhand einer Folie erläuterte sie den Gewinn geflüchteter Menschen für die deutsche Wirtschaft. Um den Personalbedarf auch künftig sichern zu können, lohne sich der Blick auf das berufliche Potenzial geflüchteter Menschen. Bevor geflüchtete Menschen jedoch in Deutschland arbeiten dürfen, bedürfe es einer Arbeitserlaubnis. Ist diese erteilt, helfe die Agentur für Arbeit Regensburg mit dem Arbeitsmarktprogramm „Flucht“ weiter. Hier gebe es verschiedene unterstützende Angebote, die Geflüchtete in Anspruch nehmen können, um einen Weg in den deutschen Arbeitsmarkt zu finden. Dazu gehören neben Sprachkursen und Berufsintegrationsjahren ausbildungsbegleitende Hilfen, das Modell „Kommit“ und vieles mehr, so die Referentin Scharf-Haggenmiller.

Maria Politzka (Mitte) moderierte die Gesprächsrunde der Unternehmer Sybille Scholz, Peter Kempa, Julia Unger und Muk Röhrl (v. li.), die ihre Erfahrungen mit geflüchteten Menschen in ihren Betrieben schilderten.
Foto: Landratsamt Regensburg

Stand 15. Februar gebe es für den Zuständigkeitsbereich des Jobcenters Regensburg 745 erwerbsfähige Leistungsberechtigte bei den anerkannten Asylberechtigten, erklärte Birgitt Ehrl. Derzeit seien 137 von ihnen im Beratungsprozess zur beruflichen Integration. Auch das für den Landkreis zuständige Jobcenter verzeichne in etwa die gleiche Zahl an Kunden in diesem Bereich, erklärte Ulrich Merl. Weil die geflüchteten Menschen erst die deutsche Sprache erlernen oder einige sogar erst alphabetisiert werden müssten, sei es oft ein sehr langwieriger Prozess, bis sie einen Job annehmen könnten.

Am Ende waren sich die Referenten einig, dass die Unternehmen geflüchtete Menschen integrieren und die Angebote der Behörden in Anspruch nehmen sollen, damit die Eingliederung in den deutschen Arbeitsmarkt gelinge. „Nachhaltige Integrationen sind die besten Integrationen“, schloss Birgitt Ehrl ihren Vortrag.

Auf großes Interesse beim Publikum stießen im Anschluss die Erfahrungsberichte vier Unternehmer aus der Region. Muk Röhrl, Geschäftsführer der Gaststätte Röhrl in Eilsbrunn, berichtete beispielsweise von der Anstellung eines syrischen Kochs in seinem Betrieb. Er habe mit seiner Frau alle Hebel in Bewegung gesetzt, um den jungen Mann dauerhaft zu beschäftigen, was aber letztlich an der Bürokratie gescheitert sei.

Von bürokratischen Hürden wusste auch Julia Unger, Kaufmännische Leitung der CNC Metallbearbeitung Unger GmbH in Hemau, zu berichten. „Es gibt noch viele Haken zu lösen“, so Unger. Ein großes Problem des von ihr betreuten Geflüchteten sei auch die bairische Sprache in der Berufsschule und im Betrieb. Trotz der bürokratischen Hürden sei sie aber froh über den jungen Auszubildenden: „Wir haben es wirklich gut erwischt.“

Auch Sybille Scholz, Geschäftsführerin der Scholz-Naturstein GmbH in Zeitlarn und Ehrenamtliche bei der Nachbarschaftshilfe für Flüchtlinge, war sich sicher: „Das einzige, das schwierig ist, ist die Bürokratie. Die ganzen Formulare und Anträge sind für einen Ausländer alleine nicht zu bewältigen. Sonst wusste Scholz nur Positives zu berichten: „Die Integration bei uns hat hervorragend geklappt.“

Peter Kempa, Niederlassungsleiter von Stahlhandel Klöckner Deutschland in Regensburg, erzählte davon, dass es schwierig sei, Auszubildende zu finden. Nach einem erfolgreichen Praktikum absolviert nun ein junger Äthiopier eine Ausbildung in seiner Niederlassung. Auch er berichtete von einem großen Bürokratie-Aufwand, bei dem der Junge nicht nur von Seiten des Unternehmens, sondern auch von der IHK und dem Kolping Bildungswerk Unterstützung bekommen habe. „Aber ich muss sagen, dass es das wert war“, so Kempa. Und schon in der kommenden Woche macht ein Junge aus Eritrea ein Praktikum bei Klöckner.

„Die Unternehmer zeigen in dieser Sache sehr viel Engagement“, resümierte die Leiterin der Wirtschaftsförderung und Moderatorin Maria Politzka. Im Anschluss bestand für die Gäste die Möglichkeit, sich mit den Referenten auszutauschen.

Hintergrund:
Der „Digitalbonus.Bayern“ ist eine einfache, schnelle und unbürokratische Förderung für kleine und mittlere Unternehmen mit zum Beispiel bis zu 10.000 Euro Zuschuss für Digitalisierung oder Maßnahmen zur Verbesserung der IT-Sicherheit in Unternehmen. Die Förderung wird online auf http://www.digitalbonus.bayern beantragt. Das Programm hat eine Laufzeit von vier Jahren mit 20 Millionen Euro Fördermitteln jährlich.

Bei Fragen steht Ihnen die die Wirtschaftsförderung des Landkreises Regensburg (Altmühlstr. 3, 93059 Regensburg) unter Telefon: 0941/4009-464 bzw. 0941/4009-373 oder per E-Mail an: wirtschaft@lra-regensburg.de gerne zur Verfügung.