Die Staatsanwaltschaft Regensburg ermittelt seit August 2016 wegen angeblicher Vorfälle in dem Krematorium der Stadt Regensburg. Darüber informiert Oberstaatsanwalt Theo Ziegler in einer Pressemitteilung. Mitarbeiter des Krematoriums sollen von 2011 bis Mai 2015 in rund 200 Fällen bei der Feuerbestattung von Leichnamen auch Körperteile anderer Menschen mitverbrannt haben.

Dabei soll es sich um menschliche Körperteile sowie Beutel mit Gewebe- und Blutproben gehandelt haben, die bei medizinischen Eingriffen angefallen sind und nach dem Gesetz als Sondermüll hätten entsorgt werden müssen. Dies würde zumindest eine Ordnungswidrigkeit nach dem Bayerischen Abfallwirtschaftsgesetz darstellen, die mit einer Geldbuße bis zu 50.000 Euro geahndet werden kann. Möglicherweise ist auch der Straftatbestand der Störung der Totenruhe gemäß § 168 Abs. 1 StGB erfüllt, der allerdings „beschimpfenden Unfug“ an einem Leichnam voraussetzt.

Das Krematorium iauf dem Dreifaltigkeitsberg

Ferner sollen vier Mitarbeiter des Krematoriums im Zeitraum von 2011 bis Juni 2016 in zwei Fällen Spenden unbekannter Höhe, die anlässlich von Trauerfeiern für wohltätige Zwecke gesammelt worden waren, für sich selbst verwendet haben. Dies wäre strafbar als Betrug.

Schließlich sollen im Jahr 2016 in zwei Fällen Urnen als normales Päckchen versandt, den Hinterbliebenen aber ein um 40 Euro höherer Preis für einen Urnenspezialversand in Rechnung gestellt worden sein. Auch dies wäre strafbar als Betrug.

Auf der Grundlage dieses Sachverhalts hat die Staatsanwaltschaft beim Ermittlungsrichter des Amtsgerichts Regensburg einen Beschluss für die Durchsuchung der Räume des Krematoriums erwirkt, der gestern vollzogen wurde. Dabei wurden schriftliche und elektronisch gespeicherte Unterlagen freiwillig herausgegeben.

Bisher handelt es sich lediglich um einen Anfangsverdacht, der auf den Angaben von Zeugen beruht. Die weiteren Ermittlungen und die anstehende Auswertung der sichergestellten Unterlagen müssen erst zeigen, ob und in welchem Umfang sich der Anfangsverdacht bestätigt. Für die Betroffenen gilt in jedem Fall die Unschuldsvermutung.