Bitte lächeln: es wird geblitzt

Die Radarkontrolle feiert 60-jähriges Jubiläum: Skurrile Geschichten aus der Region

Regensburg – Es war ein schwarzer Tag für alle Schnellfahrer: Am 21. Januar 1957 wurde in Deutschland die Radarkontrolle eingeführt. 60 Jahre ist das jetzt her – jede Menge Zeit für skurrile Geschichten. Hier ein paar Anekdoten aus der Region.

Von Mario Hahn

Manche Menschen sind kreativ. Sehr sogar. Karl-Heinz Regnat, seit über drei Jahrzehnten im Dienst der Verkehrspolizeiinspektion Regensburg, kann ein Lied darüber singen. Bei einigen muss er sogar schmunzeln.

Etwa wenn er vom Stinkefinger erzählt. Diesen präsentierte eine Beifahrerin – anstatt hübsch zu lächeln – der Kamera. Die Obszönität wurde folglich zur Anzeige gebracht. Die Ausrede vor Gericht: Der Mittelfinger galt – natürlich, wem sonst(!) – nicht den Polizisten, sondern einer gerade in diesem Moment vorbeilaufenden Katze… Wie diese den Stinkefinger wohl fand?

Neben stationären Radarkontrollen gibt es auch die mobile Variante
Foto: BLIZZ-Archiv

Eine ganz kuriose Geschichte spielte sich im nördlichen Landkreis ab. „Bei Hohenfels wurde ein Motorradfahrer binnen kurzer Zeit gleich drei Mal von uns geblitzt“, beginnt Regnat. Bei dem Raser handelte es sich, wie sich herausstellte, um einen Angestellten der dort stationierten US-Armee. Der Mann war auf dem Heimweg und wurde mit 114 Sachen „fotografiert“. Erlaubt waren 70. „Aber anscheinend hatte er in der Arbeit was vergessen, fuhr dieselbe Strecke zurück. Dieses Mal hatte er 116 km/h auf dem Tacho.“ Und weil aller guten Dinge drei sind ließ der Motorradfahrer gleich wieder ein Foto von sich machen. Erneut mit 116 Stundenkilometer. Der Fahrer wurde überführt und musste 1.200 Euro Strafe zahlen. Zudem bekam er ein Fahrverbot von drei Monaten auferlegt. Das war ihm wohl eine Lehre, kurz danach gab er das Bike weg.

Einmal wollte ein ganz Schlauer die Polizei austricksen, indem er sein Kfz-Kennzeichen unleserlich machte; er tat einen Aufkleber drauf. Nur dumm, dass dieser das Firmenlogo zeigte, bei der er angestellt war. Regnat: „So konnten wir relativ schnell die Personalien ermittelt.“

Ungewöhnliches erlebte Regnat auch beim Auswerten von Blitzerfotos. „Auf einem waren nur die Hände am Lenkrad zu sehen. Ansonsten nichts. Kein Oberkörper, kein Kopf. Nichts. Da muss sich der Fahrer wohl just in dem Moment, als er fotografiert wurde, nach unten gebeugt haben und etwas am Boden gesucht haben.“ Bei überhöhter Geschwindigkeit ist das ein Spiel mit dem Leben.

 

Zwischentitel

Ein wahrer Höllenritt

Apropos: Den „Geschwindigkeitsrekord“ hält ein Motorradfahrer, der auf der Bundesstraße 8 zwischen Hemau und Hohenschambach fuhr. Dieser war mit sage und schreibe 245 Sachen bei erlaubten 100 unterwegs. „Wir hatten unsere Messstation unten in der Senke. Als der Biker vorbei raste, klang das wie Gewitterdonner“, erinnert sich der 57-Jährige. Der Höllenritt kostete 1.200 Euro und brachte drei Monate Fahrverbot ein. Hierbei aber hatten die Ordnungshüter Glück, dass sie mit zwei Blitzern vor Ort waren und in beide Richtungen fotografierten. Denn bekanntlicherweise hat ein Motorrad nur hinten ein Kennzeichen.

War das dem Mann im nächsten Fall unbekannt? Schwer vorstellbar. Auf jeden Fall ist der Biker, nachdem er fotografiert wurde, zurück an den Tatort des Vergehens. „Er fragte dann ganz höflich, ob er geblitzt wurde. Ich bejahte dies“, erzählt Regnat – und bekam nebenbei das Kennzeichen frei Haus geliefert.

Dass es nicht nur motorisierte Verkehrsteilnehmer sein müssen, die geblitzt werden, zeigt dieses Beispiel: Einmal war im Landkreis ein sehr schneller Fahrradfahrer unterwegs. Beim Fotografieren trat die Geschwindigkeit zu Tage: 61 Stundenkilometer statt erlaubten 50. Das Glück des Pedalisten: Fahrräder haben kein Kennzeichen.

Wissenswertes

60 Jahre – Seit 1957 bremst sie deutsche Raser aus: die Radarfalle. Am 21. Januar startete das nordrhein-westfälische Innenministerium den ersten Feldversuch mit einer Radarkontrolle in Düsseldorf.

Heutzutage gibt es in ganz Deutschland rund 4.500 stationäre Messgeräte, die sogenannten Starenkästen.

Die Stadt Regensburg besitzt vier Radaranlagen und zwei Laseranlagen.