Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer und Landrätin Tanja Scheiger im Doppelinterview

Regensburg – Neues Jahr, neue Projekte. Auch in Stadt und Landkreis Regensburg stehen umfassende Aufgaben auf der To-do-Liste für 2018. Gleichzeitig ist der Jahresbeginn jedoch auch ein Zeitpunkt, um Themen der vergangenen zwölf Monate revue passieren zu lassen. Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer und Landrätin Tanja Schweiger erklären im Doppelinterview, welche Themen ganz oben auf der Agenda stehen und welche Ziele für Stadt und Landkreis verfolgt werden.

Von Matthias Dettenhofer

So sieht Bürgermeisterin Maltz-Schwarzfischer das Jahr 2017 und die Zukunft für die Stadt Regensburg

Blizz: Rückblickend auf das vergangene Jahr. Wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung der Stadt in 2017?

Gertrud Maltz-Schwarzfischer: Ich bin ausgesprochen zufrieden mit der Entwicklung unserer Stadt im vergangenen Jahr. Wir haben unseren Rang unter den wirtschaftlich erfolgreichsten deutschen Städten bravourös verteidigt. Wir können davon sprechen, dass wir quasi Vollbeschäftigung haben.

Regensburgs Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer Foto: Peter Ferstl/Stadt Regensburg

Was waren Themen, die nicht in Angriff genommen werden konnten? Warum nicht?

Gertrud Maltz-Schwarzfischer: Ich hätte mir gewünscht, dass das Kinderschutzhaus im ehemaligen Michlstift schon heuer hätte eröffnet werden können. Leider hat uns hier die historische Bausubstanz einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wir müssen jetzt beispielsweise das komplette Trinkwassersystem sanieren, das kostet viel Zeit. Trotzdem bin ich zuversichtlich, dass es mit der Eröffnung bis Ende dieses Jahres klappen wird. Genauso schön wäre es gewesen, wenn wir mit der geplanten Sallerner Regenbrücke weitergekommen wären.

Im Umkehrschluss, welche Themen werden Regensburg und seine Bewohner in diesem Jahr beschäftigen?

Gertrud Maltz-Schwarzfischer: Das vielleicht wichtigste Projekt, für das wir 2018 die Weichen stellen wollen, ist die Neugestaltung des Areals zwischen Ernst-Reuter-Platz und Bahnhof. Im Februar wollen wir dem Stadtrat die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung vorstellen. Ebenfalls im Februar startet das Online-Forum für einen höherwertigen ÖPNV. Außerdem wollen wir – wo immer es möglich ist – noch mehr Busspuren einführen und den Radverkehr deutlich stärken. Damit und mit der Einführung einer Umweltzone am 15. Januar wollen wir auch einen Beitrag zu einem besseren Stadtklima leisten.

Wo sehen Sie den dringendsten Handlungsbedarf für das Jahr 2018?

Gertrud Maltz-Schwarzfischer: Natürlich wird das Thema „Mehr bezahlbarer Wohnraum“ wieder eine zentrale Rolle spielen. Das bedeutet zum einen, dass wir in den Genehmigungsverfahren deutlich schneller und effizienter werden müssen, aber dazu gehört auch, dass wir geeignete Grundstücke identifizieren und schnell baureif machen. Auch hier sind wir auf einem guten Weg. In diesem Zusammenhang werden wir auch über die Quote von 20 Prozent gefördertem Wohnungsbau nachdenken. Ich schätze, dass so künftig zwischen 1.200 und 1.400 neue Wohnungen pro Jahr geschaffen werden könnten. Und wie ich schon dargestellt habe, müssen wir uns intensiv um die Verkehrsproblematik kümmern, dabei aber auch über den Tellerrand hinausschauen und die Region im Blick behalten, denn schließlich fahren rund 75 000 Menschen aus dem Umland nach Regensburg zur Arbeit. Deshalb ist uns die intensive Zusammenarbeit mit dem Landkreis beim Thema Verkehr, aber auch bei vielen anderen Themen, wie beispielsweise Inklusion, Gesundheit oder Energie, ein wichtiges Anliegen.

Darum sieht Landrätin Tanja Schweiger eine positive Entwicklung für den Landkreis Regensburg

Landrätin Tanja Schweiger Foto: Landkreis Regensburg

Blizz: Rückblickend auf das vergangene Jahr. Wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung des Landkreises in 2017?

Tanja Schweiger: Ich bin sehr zufrieden, weil der Landkreis seine gute Positionierung auf vielen Gebieten nicht nur halten, sondern sogar ausbauen konnte. Sehr gefreut hat mich, dass wir unser anspruchsvolles Arbeitsprogramm für 2017, etwa bei den vielen Großprojekten an unseren Landkreisschulen, bei der Machbarkeitsstudie für Gonnersdorf oder auch beim Kauf von Grundstücken für unsere Straßenbauprojekte, erfüllen konnten.

Was waren Themen, die nicht in Angriff genommen werden konnten?

Tanja Schweiger: Manchmal wünscht man sich zügigere Realisierungsabläufe und Umsetzungsprozesse, wenn es zum Beispiel um Verbesserungen bei der Verkehrsinfrastruktur geht. Vor allem auch, weil viele Bürgerinnen und Bürger davon betroffen sind. Denken Sie nur an die fehlenden Donaubrücken bei Kneiting oder Sinzing, darunter leiden jeden Tag tausende Landkreisbürgerinnen und –bürger. Bedauerlich ist auch, dass Gerichtsverfahren, wie das derzeit am VGH anhängige zur R 30 – so lange dauern. Außerdem schweben weiterhin die Polderplanungen für den östlichen Landkreis über uns und unser Fragenkatalog wartet seit einem Jahr auf Antworten.

Im Umkehrschluss, welche Themen werden den Landkreis und seine Bewohner in diesem Jahr beschäftigen?

Tanja Schweiger: Wir werden uns weiterhin mit großem Engagement dafür einsetzen, die hohe Attraktivität des Landkreises sowohl als Wirtschaftsstandort als auch als Wohn- und Lebensraum noch weiter zu steigern. Dies gilt für den weiteren Ausbau der Bildungseinrichtungen und der Infrastruktur, insbesondere bei der Digitalisierung, für den Senioren- und Ehrenamtsbereich ebenso wie für die Kulturarbeit. Hohe Priorität haben unverändert die Themen Unterstützungs- und Serviceleistungen für Familien oder die Kinderbetreuung. Sehr freue ich mich, den Landkreisbürgerinnen und -bürgern im Frühjahr mit Fertigstellung des generalsanierten Altbaus dann das neue Dienstleistungszentrum Landratsamt anbieten zu können.

Wo sehen Sie den dringendsten Handlungsbedarf für das Jahr 2018?

Tanja Schweiger: Hohe Priorität werden auch heuer die Verkehrsthemen haben. Der sechsstreifige Ausbau der A3 wird – so notwendig er ist und so professionell er von der Autobahndirektion Südbayern geplant wird – für uns alle ein großer Kraftakt werden.