Ergebnisse der Bürgerbefragung und Weichenstellung für die anstehenden Planungsschritte

Vom 23. Oktober bis 19. November 2017 hat die Bürgerbefragung „Stadtraum gemeinsam gestalten“ zur Neugestaltung des Bereichs rund um den Hauptbahnhof stattgefunden. Nach Auswertung der eingegangenen Fragebögen durch das Amt für Stadtentwicklung, Abteilung Statistik, liegen die Ergebnisse der Bürgerbefragung nun vor. Die Vorlage zum Projektabschluss des Beteiligungsprozesses „Stadtraum gemeinsam gestalten“ unterbreitet dem Stadtrat auf Grundlage der Ergebnisse der Ideenwerkstätten und der Bürgerbefragung einen Vorschlag für die weiteren Planungsschritte. Die Beschlussvorlage wird zunächst in einer gemeinsamen Sitzung des Ausschusses für Stadtplanung, Verkehr und Wohnungsfragen, des Kulturausschusses, des Ausschusses für Wirtschaft und des Ausschusses für Verwaltung, Finanzen und Beteiligungen am 21. Februar 2018 vorberaten und am 22. Februar dem Stadtrat zur Entscheidung vorgelegt.

Hohe Beteiligung an der Bürgerbefragung

Von 133.675 zugestellten Befragungsunterlagen wurden 39.720 verwertbare Fragebögen zurückgesandt. Darin enthalten sind 1.622 Fragbögen mit Kommentaren, welche ebenfalls ausgewertet wurden. Somit ist ein Rücklauf von 30 Prozent erreicht. 27 Prozent davon haben die Möglichkeit genutzt, sich online zu beteiligen.

Die Beteiligung lag bei etwa 30 Prozent Grafiken: Stadt Regensburg

Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer zeigt sich sehr zufrieden mit der Beteiligung: „Dass so viele die Möglichkeit genutzt haben, ihre Meinung zu äußern, um damit der Stadt eine Richtung aufzuzeigen, ist bemerkenswert. Das ist für eine freiwillige Form der Bürgerbeteiligung eine sehr beachtliche Beteiligung und zeigt, dass die Regensburgerinnen und Regensburger ein Interesse haben, sich bei den Entwicklungen in ihrer Stadt einzubringen.“

Gemeinsam erarbeitete Ideen finden Zustimmung

Die Auswertung der Ergebnisse zeigt, dass 84 Prozent der Beteiligten den Bau eines neuen modernen Zentralen Omnibusbahnhofes (ZOB) zwischen Hauptbahnhof und Galgenbergbrücke für sehr wichtig bzw. wichtig erachten. Die angedachten Verbesserungen für den Bus-, Fuß- und Radverkehr und die damit verbundenen Einschränkungen für den Autoverkehr halten 73 Prozent der Beteiligten für sehr wichtig bzw. wichtig. 67 Prozent messen der Berücksichtigung von öffentlichen Angeboten für die Regensburgerinnen und Regensburger in einem Kultur- und Kongresszentrum große Bedeutung zu. Für drei Viertel der Beteiligten ist es mindestens wichtig, dass die aufgezeigten Planungen zur Neugestaltung des Stadteingangs weitergeführt werden.

„Ich freue mich, dass die gemeinsam erarbeiteten Ideen bei breiten Teilen der Stadtgesellschaft auf Zustimmung stoßen. Die Ergebnisse der Bürgerbefragung und des Beteiligungsverfahrens sind das Fundament der weiterführenden Planungen für die Neugestaltung des Bahnhofumfeldes“, so Planungs- und Baureferentin Christine Schimpfermann.

Weichenstellung für die weiteren Planungen

Basierend auf den vorliegenden Ideen und Ergebnissen wird dem Stadtrat vorgeschlagen, das Gesamtprojekt und die einzelnen Projektbausteine voranzutreiben. Im nächsten Schritt sollen die unterschiedlichen Planungsansätze aus den Ideenwerkstätten bewertet und anschließend entschieden werden, welche der Ansätze weiterzuverfolgen sind. Dabei sollen erneut interdisziplinär aufgestellte Bürogemeinschaften (Verkehrs- und Freiraumplanung, Städtebau und Architektur) sicherstellen, dass sowohl für die einzelnen Projektbausteine als auch den gesamten Stadtraum Lösungen erarbeitet werden, die bei den Regensburgerinnen und Regensburgern eine breite Akzeptanz finden.

Verkehr

Zunächst soll aufbauend auf den vorliegenden verkehrlichen Überlegungen ein leistungsfähiges Verkehrskonzept abgeleitet werden, dass auf eine Stärkung des Bus, Fuß- und Radverkehrs ausgerichtet ist. Es ist u.a. zu prüfen, wo und wie separate Spuren für Busse bzw. eine Stadtbahn zu organisieren sind, wie eine Tiefgarage im nördlichen Bahnhofsvorfeld auszubilden ist und wie ein zentraler Haltstellenbereich auf der Galgenbergbrücke gebaut werden kann. Nachzuweisen ist dabei, wie die Erreichbarkeit der Altstadt, der Parkhäuser und des Hauptbahnhofs für den Autoverkehr gewährleistet bleibt.

Durch eine gemeinsame Ausschreibung eines Verkehrs- und Freiraumkonzepts soll bei der Konkretisierung der Verkehrspläne ein sensibler Umgang und eine Weiterentwicklung der bestehenden Grün- und Freiflächen sichergestellt werden. Sobald dieses erarbeitet ist, kann ein Realisierungswettbewerb für den Bau eines Zentralen Omnibusbahnhofes (ZOB) erfolgen, um die besten Entwürfe zu finden und eine hohe funktionale, städtebauliche und architektonische Qualität zu sichern.

Freiraum

Bei der Neugestaltung des Bahnhofsumfelds ist ein sensibler Umgang mit dem denkmalgeschützten Alleengürtel besonders wichtig. Die Maximilianstraße, Bahnhofs- und Ernst-Reuter-Platz und der Alleengürtel sind in einer hohen Qualität zu entwickeln. Dabei sind die im Beteiligungsprozess erarbeiteten Ideen für die Gestaltung der Frei- und Grünräume zu bewerten und es ist zu entscheiden, welcher dieser Ansätze weiterverfolgt werden soll.

„Die gemeinsame Ausschreibung eines Verkehrs- und Freiraumkonzepts soll sicherstellen, dass von Beginn an die Belange des Natur- und Denkmalschutzes und des Städtebaus mit den Verkehrsplänen abgestimmt entwickelt werden. Auf diese Weise kann eine attraktive Verknüpfung der einzelnen Frei- und Grünräume untereinander sowie mit dem ZOB, der ÖPNV-Trasse und dem RKK geschaffen werden“, erläutert Bürgermeister Jürgen Huber.

Kultur- und Kongresszentrum

Die Planungen für ein Kultur- und Kongresszentrum werden weiter vorangetrieben. Aufgrund der zentralen Bedeutung des Ernst-Reuter-Platzes für eine zukunftsfähige Gestaltung des Bereichs rund um den Hauptbahnhof und zur Realisierung des RKK wird dem Stadtrat vorgeschlagen, die betroffenen Grundstücke in Erbbaurecht zu nehmen.

Maßgebend für die Realisierung eines RKK ist es, ein individuelles und für die Stadt tragbares Modell zu finden, das die Themen Planung, Bau, Finanzierung und Betrieb umfasst. Hierfür ist zunächst eine Ergänzung des aktuell überprüften und als marktfähig eingestuften Raumprogramms um die im Bürgerbeteiligungsverfahren entstandenen Ideen – wie bürgernahe, freizugängliche Nutzungen – vorzunehmen. Auch ist zu prüfen, welche Vor- und Nachteile eine räumlich-funktionale Verknüpfung mit dem Standort Maximilianstraße 26 haben. Schließlich soll mit einem Wettbewerb die beste architektonische Lösung für ein RKK am Standort Ernst-Reuter-Platz gefunden werden.

„Für die wirtschaftliche, kulturelle, wissenschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung unserer Stadt ist ein RKK von entscheidender Bedeutung. Regensburg wird langfristig davon profitieren“, betonen Dieter Daminger, Referent für Wirtschaft, Wissenschaft und Finanzen, und Kulturreferent Klemens Unger.

Zeitlicher Ausblick zur Umsetzung

Bei Zustimmung des Stadtrates zu den Planungen kann im Jahr 2019 der Rückbau des Kepler-Areals erfolgen. Anschließend könnte das freie Baufeld als Interims-ZOB oder Baustelleneinrichtung dienen. Daran anknüpfend kann mit einer Neuordnung der verkehrlichen Situation, wie dem Bau einer Tiefgarage in der Bahnhofstraße und der Verlagerung von Funktionen des Regional- und Fernbusverkehrs, begonnen werden. Anschließend ist ein Zentraler Omnibusbahnhof zu realisieren und das nördliche Bahnhofsumfeld umzugestalten. Die erforderlichen umfangreichen Planungen, Genehmigungsverfahren und Abstimmungen mit der Deutschen Bahn AG zum Neu/-Umbau der Galgenbergbrücke sind parallel voranzutreiben. Sobald die Fertigstellung der neugeordneten verkehrlichen Situation absehbar ist und notwendige archäologische Ausgrabungen abgeschlossen sind, kann mit dem Bau des Kultur- und Kongresszentrums begonnen werden.

Die Entwicklung der Grün- und Freiräume ist eine Querschnittsaufgabe und ist sukzessive und angelehnt an die Entwicklung der einzelnen Projektbausteine, basierend auf einem Freiflächenkonzept für das gesamte Bahnhofsumfeld, umzusetzen.

Die Realisierung aller geplanten Vorhaben rund um den Hauptbahnhof wird voraussichtlich zehn bis 15 Jahre dauern. Ein entsprechendes Baustellenmanagement soll die Abstimmung der Bauphasen und die richtige zeitliche Einordnung gewährleisten sowie Interimslösungen berücksichtigen. Dabei soll die Stadtverwaltung bei der Planungs- und Beratungsleistung, der Koordination und Betreuung der Planungsverfahren sowie bei der Öffentlichkeitsarbeit von qualifizierten Büros unterstützt werden.

Einbindung und Information der Öffentlichkeit

„Durch die Ideenwerkstätten und den Beteiligungsprozess ist es gelungen, die unterschiedlichen Interessenvertretungen an einen Tisch zu bekommen und gute Kompromisslösungen zu finden. Deshalb ist es wichtig, dass bei den nun anstehenden Planungsschritten weiterhin eine kontinuierliche Einbindung der Öffentlichkeit, insbesondere der fachlichen Akteure und Interessensvertretungen, erfolgt“, betont Bürgermeisterin Maltz-Schwarzfischer. Die Stadt wird regelmäßig über den Stand der einzelnen Projektfortschritte und die Entwicklung des Gesamtprojekts sowie den damit verbundenen Einschränkungen – wie bspw. durch Baustelleneinrichtungen – informieren.

Mehr Infos: www.stadtraum-gestalten.de