Kampagne „Jede Zahl hat ein Gesicht“: Transparenz nach außen und innen

Regensburg – Goldene Badewannen, protzige Paläste und Kohle ohne Ende. Seit dem Skandal um den damaligen Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst hatten viele Menschen genau dieses Bild von der Kirche im Kopf. „Unsere Kirchensteuer wird sinnlos verpulvert“, hieß es. Die Bischofskonferenz reagierte 2014 auf die Vorwürfe und verordnete den Bistümern finanzielle Transparenz. Dieser Forderung kam nun auch das Bistum Regensburg nach – zumindest zum Teil.

Von Matthias Dettenhofer

Massenweise Kirchenaustritte und, zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung, eine Verletzung der kirchlichen Kernkompetenzen. Vieles drehte sich mehr um Geld, als um Seelsorge, Bildung oder um das Gemeinwohl. Die Reaktion der Bischofskonferenz war deutlich. Finanzielle Transparenz und die einhergehende Kontrolle der einzelnen Organe der Bistümer waren das Ergebnis. „Wir wollen den höchsten Transparenzstandard, den es in Deutschland gibt“, sagt Generalvikar Prälat Michael Fuchs. Unter dem Motto „Jede Zahl hat ein Gesicht“ stellte das Bistum Regensburg seine bislang ausgearbeiteten Zahlen vor. Sämtliche Zahlen können unter www.zahlengesichter.de eingesehen werden.

Das Bistum ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Dazu gehören 15 Rechtspersonen, wie etwa die Diözese, Domkapitel, der Bischöfliche Stuhl sowie diverse Stiftungen und Bildungseinrichtungen. Von diesen faktischen Rechtspersonen konnten bislang die Bilanzen des Bischöflichen Stuhls (118,6 Millionen Euro Nettovermögen/Eigenkaptal), der Schulstiftung (199,5 Millionen Euro) sowie der Stiftung Hochschule für Katholischen Kirchenmusik und Musikpädagogik (4,4 Millionen Euro) offengelegt werden.

Die restlichen Zahlen sollen bis 2018 folgen. Dann haben alle Rechtsträger auf die doppelte Buchführung nach dem Handelsgesetzbuch umgestellt, „Ab Januar werden dann Kunstschätze und über 300.000 Bücher bewertet“, erklärt der stellvertretende Finanzdirektor des Bistums Wolfgang Bräutigam. Hinzu kommen Gebäude und Grundstücke, wie das Diözesanzentrum am Obermünsterplatz, wo es bei der Schätzung des Wertes noch Klärungsbedarf gebe.

Alles in allem müssen die Regensburger noch zwei Jahre warten, bis sie wissen, ob Regensburg eine arme oder reiche Diözese ist, wenn nämlich alle 15 Bilanzen vorliegen. Auch wenn freilich nur ein Bruchteil der Zahlen publik gemacht wurde so machte Generalvikar Fuchs do eines klar: „Kirche ist weit mehr als nur Halleluja-Singen.“ Vielmehr ist es Finanzunternehmen, das jedem ausgegebenem Euro ein Gesicht geben möchte.