Atemloser Rekordtauchgang im Achensee in Österreich

Jetzt halt doch mal die Luft an! Für Jens Stötzner kein Problem, denn am 22. Juli stellte er einen neuen Deutschen Apnoe-Tieftauchrekord im See auf. Er erreichte eine Zieltiefe von minus 54 Metern und übertrumpfte damit den acht Jahre alten Rekord um einen Meter.

… und abwärts… Foto: Alice Cattaneo

Jens Stötzner, mehrfacher Rekordfreitaucher im Meer und See, Nationalmannschaftsmitglied und ehemaliger Weltklassetriathlet, tauchte mal wieder ab, um während des AIDA Tieftauchwettkampfes „Cool Down“ in Österreich einen neuen deutschen Tieftauchrekord im Apnoetauchen aufzustellen.

Getaucht wurde in der Disziplin CNF (Constant Weight No Fin). Dabei geht es ohne jegliche Hilfsmittel im Bruststil in die Dunkelheit des in den Alpen gelegenen Achensees. Beim Freitauchen im See ist der einzige Orientierungspunkt ein Seil, an dem der Freitaucher über ein Sicherungsseil befestigt in die Zieltiefe hinabtaucht. Kälte, Dunkelheit und die Höhe des Achensees von knapp 1.000 Höhenmetern stellen besondere Anforderungen an die Psyche des Freitauchers und unterscheidet sich dadurch zum Tieftauchen in warmen Regionen der blauen Meere. Für solche Leistung muss der Körper und Geist in einen tiefen Entspannungszustand versetzt werden. Aber gerade das macht es im See so schwierig, bei Dunkelheit und Kälte locker und entspannt zu bleiben.

Für Apnoetaucher Jens Stötzner geht’s aufwärts Foto: Alice Cattaneo

Der 50-jährige Stötzner aus Regensburg nutzt hier eine Hypnosetechnik, bei der er sich in einen Trancezustand versetzt. Mit der Übung wird aus dem Unwohlsein ein Wohlseingefühl und man genießt es in die Tiefe hinabzugleiten. Nach rund 25 Metern Tiefe gerät der Freitaucher durch den zunehmenden Druck und die dadurch komprimierende Luft in einen sogenannten freien Fall. Herausforderung dabei ist es, den Druckausgleich in den Ohren zu realisieren und der sich ändernden Kälte von 19 Grad Celsius bis auf 6 Grad Celsius zu trotzen. Ab circa 25 bis 30 Metern befindet sich die Lunge im Residualvolumen, d.h., man bekommt eigentlich keine Luft mehr in den Mundraum, um den Druckunterschied zwischen Außen-und Innendruck im Ohr und innere Hohlräume auszugleichen. Mit einer besonders schwer zu erlernenden Technik gelingt es aber doch bis Tiefen von Jenseits der minus 100 Meter zu realisieren. In der Zieltiefe hängt eine Karte die Stötzner dann wieder als Beweis mit nach oben bringen muss.

Jens Stötzner (re.) ist überglücklich – gerade eben stellte er mit minus 54 Metern den Deutschen Apnoe-Tieftauchrekord auf
Foto: Monika Oberhuber

Richtig anstrengend wurde dann erst der Aufstieg. Bei 6,4 bar in der Zieltiefe von minus 54 Metern ist der Neoprenanzug und Lunge auf ein Minimum komprimiert und man kämpft Zug um Zug gegen den enormen Abtrieb nach oben, bis es endlich wieder heller wird und einem die Sicherungstaucher entgegenkommen. Nach einem sauberen Auftauchprotokoll gegenüber den AIDA-Wettkampfrichtern wurde der Rekord mit einer weißen Karte für gültig erklärt. Für Stötzner war das ein guter Test für die anstehende Tieftauchweltmeisterschaft in Roatan in Honduras Ende August, bei der er Deutschland vertreten wird.

Vorbereitung auf den Tauchgang ist wichtig
Foto: Lukas Miller

Apnoe- oder auch Freitauchen genannt, erfreut sich wachsender Beliebtheit unter Freizeit- und Wettkampftauchern. Das Tauchen mit nur einem Atemzug erlaubt schwereloses und geräuschloses Bewegen unter Wasser, „Freefall Feeling“ inklusive. Freitauchen ist ein überaus gesundheitsfördernder Sport, denn die Tauchzeiten und -distanzen lassen sich nur durch regelmäßiges physisches und mentales Training verbessern. Zudem ist eine gesunde Ernährung die Grundlage für einen effizienten Zellstoffwechsel. Der Wettkampfsport wird in verschiedenen Disziplinen im See, im Pool und im Meer durchgeführt. Hierbei geht es um Zeit, Distanz und Tiefen, die mit und ohne Flosse erreicht werden. Hinzu kommen Disziplinen, bei denen mit einem zusätzlichen Gewicht oder auch mit einem Schlitten der Taucher in die Tiefe gezogen wird. So gefährlich wie dies alles anmuten lässt, Apnoetauchen ist nicht gefährlicher als Bergwandern, wenn Grundregeln eingehalten werden. Tauche nie alleine!!!

Stötzner kann sich über seinen Rekord freuen Foto: Lukas Miller