Bienen eine Heimat bieten

Jeder kann etwas gegen den Rückgang von Honig- und Wildbienen tun

Regensburg – Honigbrot zum Frühstück? Selbstverständlich! Lila, gelbe und weiße Blumenwiesen? Wunderschön! Saftige Äpfel, knallrote Kirschen und leckere Zwetschgen? Genuss pur! Doch all das wäre ohne unsere Bienen nicht möglich. Sie bestäuben unsere Pflanzen und liefern uns den Honig. Und dennoch tun wir viel zu wenig für sie. Der Bestand schrumpft und schrumpft.

Von Matthias Dettenhofer

„In einem Naturschutzgebiet in Niederbayern sind die Bienenarten in den vergangenen 20 Jahren um 50 Prozent zurückgegegangen, das haben wir in einer eigens durchgeführten Untersuchung festgestellt“, erklärt Erhard Strohm, Professor für Evolutionäre Ökologie am Institut für Zoologie an der Universität Regensburg. „In den vergangenen 30 Jahren ist die Anzahl der Bienenvölker europaweit um etwa ein viertel zurückgegangen.“ Dabei gibt der Wissenschaftler jedoch zu bedenken, dass es in Deutschland rund 500 Bienenarten gibt, man aber meistens die Honig-Biene meint.

Die acht Bienenvölker des Imkervereins Regensburg werden nach dem Winter erstmals begutachtet. Ihre volle Pracht entfalten sie erst zur Sonnwende im Juni

Die Gründe für einen Rückgang der Population sind vielfältig und regional unterschiedlich. „Umweltchemikalien, wie Pestizide können Verhaltensänderungen bei Bienen verursachen, so dass die Orientierung gestört ist und sie nicht mehr in ihren Stock zurückfinden.“ Auch das Verschwinden von Wildblumen-Wiesen, oder allzu sehr „aufegräumte“ Parkanlagen und kurzgetrimmte Rasenflächen sind für den Fortbestand der Bienen gefährlich. „Es gibt immer weniger naturnahe Flächen. Raum zum Nisten und genügend Nahrung sind so nicht ausreichend vorhanden.Prasiten und Krankheiten beeinträchtigen zudem das Immunsystem der Honig-Bienen. Doch nicht nur die Bienenpopulation geht rapide zurück, allgemein ist die Zahl der Insekten rückläufig. „Vor 20 und noch vor 10 Jahren war nach einer längeren Fahrt die Windschutzscheibe gepflastert mit kollidierten Insekten; dies ist praktisch nicht mehr zu beobachten, die Windschutzscheiben bleiben sauber“, so Professor Strohm.
Dabei ist ein stabiler Bienenbestand sowohl ethisch, ökologisch, als auch ökonomisch wichtig. „ienen sind die wichtigsten Bestäuber nicht nur von Wildpflanzen sondern auch von Kulturpflanzen.“ Schätzungen zufolge betragen die Einbußen durch den Wegfall der Bestäubung etwa 215 Milliarden Dollar weltweit. Pro Jahr! Die Menschheit würde dadurch zwar nicht verhungern, denn die meisten Nahrungsmittel (Getreide) sind windbestäubt, aber eine gesunde Ernährung würde dann sehr viel schwieriger und wesentlich teurer. Eine Verminderung der Bestäubung von Wildpflanzen würde zu einer Abwärtsspirale führen mit immer weniger Pflanzenarten, damit weniger Nahrung für Bienen, damit weniger Bestäubung, noch weniger Pflanzenarten usw.
Doch kann man als Einzelner auch etwas für den Erhalt der Bienen tun? „Ja, sehr viel“, sagt der Experte. Indirekt könne man durch den Kauf von Bioprodukten helfen. Direkt, wenn man im Garten oder auf dem Balkon Futterpflanzen für Bienen pflanzt. Hier gibt es viele geeignete Arten, die auch sehr schön blühen. Einen noch stärkeren Effekt haben Blüten in Wiesen bzw. Rasenflächen: Häufiges Mähen (wöchentlich) lässt kaum Blüten aufkommen. Wenn man z. B. nur alle drei Wochen mäht, erhöht sich die Zahl der Wildbienen laut einer Studie um das 2,5-fache.
„Neben den Blüten als Nahrung brauchen Bienen aber auch noch Nistmöglichkeiten. Auch hier ist weniger oft mehr, also z. B. Flächen nicht versiegeln, Steinmauern nicht verputzen, offene Bodenstellen nicht gleich wieder mit Rasen einsäen. Es kann auch sinnvoll sein, so genannte Bienenhotels anzubieten. Hierzu gibt es eine Vielzahl an Anleitungen zum Selberbauen, aber man auch fertige Nistmöglichkeiten kaufen.“ Hat man dann ein oder mehrere Nester im Garten, so solle man die Wildbienen gewähren lassen. „Sie ind nicht aggressiv und sie sehen den Menschen nicht als Bedrohung für ihr Nest an (anders als Honigbienen); sie stechen praktisch nie und wenn dann ist es sehr harmlos.“

 

Interview mit Helene Köhler, Vorsitzende beim Imkerverein Regensburg

Helene Köhler

Flüssiges Gold für unser Frühstück

Regensburg – Der Blizz war auf Besuch beim Imkerverein Regensburg und die erste Vorsitzende Helene Köhler hat uns einige Dinge rund um Bienen, Völker und Honig erklärt.

 

Blizz: Wie viele Bewohner hat ein Bienenvolk?
Helene Köhler: Das kommt auf die Jahreszeit an. Momentan sind die Bienen im Aufbau nach dem Winter und haben so zwischen 7.000 und 10.000 Bienen. In der Hochsaison sind es etwa 40.000.

Wie lange braucht ein Volk etwa, um auf maximale Größe anzuwachsen?
Das kommt darauf an. Es ist immer ien Zusammenspiel zwischen Nahrung und Temperatur. Aber im Normalfall erreicht die Population rund um die Sonnwende (20. Juni) ihren Höhepunkt. Danach geht es langsam wieder in Richtung Winterbienen-Bestzung.

Wie viel Honig produziert ein Volk etwa im Jahr?
In einem guten Jahr und bei zweimaliger Ernte können es schon bis zu 40 Kilogramm sein. Dann muss aber vieles passen. Die Königin muss fruchtbar sein, die Versorgung mit Nahrung gut und der Imker darf das Volk auch nicht zu oft durch öffnen der Zarge (Bienenkasten) stören.

Woran erkennt man, dass der Honig gut wird?
Zuerst einmal sieht man ob der Honig reif ist, wenn jede Wabe verdeckelt ist. Dann führt man eine Spritzprobe durch und schaut, ob noch Wasser aus der Wabe läuft. (maximal 18 Prozent Wassergehalt ist laut Deutschem Imkerbund erlaubt). Sind die Waben nicht verdeckelt, dann sind sie nicht reif.