„Am Ende sollte nichts zurückbleiben“

Täglich werden in Deutschland Streitigkeiten zwischen Nachbarn, Familienangehörigen oder Arbeitnehmern und Arbeitgebern vor den Gerichten verhandelt. Doch der Gang vor den Richter ist mitnichten das letzte Mittel, um einen Disput beizulegen. Die Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg (OTH Regensburg) bietet aus diesem Grund eine Mediatoren-Ausbildung an. Eine Zusatzqualifikation mit Zukunftscharakter.

Von Matthias Dettenhofer

Die Hecke wächst schon wieder ins Nachbargrundstück, das Obst fällt gleich daneben und nach dem Tod eines geliebten Menschen kommt es innerhalb der Familie zum Streit über das Erbe. Letzter Ausweg: Der Gang vor Gericht? „Nein“, sagt Martin Zauner, Diplom-Pädagoge und Kursleiter an der OTH Regensburg. „Der Gang zu einem Mediator kann Abhilfe ohne Richterspruch schaffen.“ Doch was genau ist ein Mediationsverfahren? Mediatoren versuchen Konflikte kooperativ zu lösen. Dazu holen wir die Streitparteien auf Augenhöhe an einen Tisch.“

Der Mediator selbst nimmt dort die Rolle eines Vermittlers ein. „Man muss dabei absolut neutral bleiben, sonst hat das gesamte Verfahren keine Erfolgschance.“ Das Kunststück ist es eben diese Neutralität zu wahren, obwohl man sich direkt zwischen die beiden Streitenden stellt.

Dabei geht der Mediator klar strukturiert vor. Er legt sich einen Leitfaden zurecht, nachdem er handelt. Zuerst wird an der Oberfläche des Falls gekratzt. „Wir müssen herausfinden, worum es wirklich geht, ob der Streit nur ein Nebenkriegsschauplatz für ein anderes Problem ist.“ Es gilt das Zwiebelprinzip. Schale für Schale wird abgezogen, bis man zum Kern kommt. Ziel des Mediators ist es, einen – für alle – zufriedenstellenden Konsens herbeizuführen. „Wir sind keine Richter, wir sprechen keine Urteile. Das Ergebnis ist immer von den Streitparteien selbst ausgearbeitet. Wir geben einen Anstoß zur Selbstreflexion“, so Zauner. Genau dieses Rüstzeug bekommen die Kursteilnehmer und -teilnehmerinnen an der OTH Regensburg in fünf Blöcken vermittelt.

Der Wert einer solchen Verhandlung auf Augenhöhe ist immens. „Das ist eine Win-win-Situation für jeden und unglaublich zufriedenstellend, da kein Richter ein Urteil gefällt hat, sondern man selbst das Problem gelöst hat.“ Das ist auch gut so, denn es gilt im besten Fall: „Auch wenn die Meinungen auseinander gehen und man streitet, so sollte am Ende trotzdem keine verletzte Emotion zurückbleiben.“

Die Ausbildung

Struktur der Ausbildung zum Mediator:

  • fünf Ausbildungsblöcke in Blockterminen
  • Teilnehmerzahl: 15 mindestens, maximal 17
  • Die Ausbildung dauert 1 bis 1,5 Jahre und umfasst insgesamt 121 Präsenz-Stunden
  • Gesamtzeitaufwand: etwa 270 Stunden
  • Zulassungsvoraussetzung: Abgeschlossenes Hochschulstudium oder mindestens einjährige Berufserfahrung in einem mediationsrelevanten Berufsfeld
  • Kosten: 3.600 Euro
  • Abschluss: Die Teilnehmenden müssen einen selbst eingereichten Fall behandeln und beenden die Ausbildung mit einem Zertifikat;

Mehr zu den berufsbegleitenden Angeboten an der OTH Regensburg unter http://www.oth-regensburg.de/weiterbildung.