Die Reformation und das Buch in Regensburg

Doppelausstellung in der Staatlichen Bibliothek Regensburg und in der Bischöflichen Zentralbibliothek Regensburg bis 31. Januar 2018

Eins ist gewiss: Der Erfolg der Reformation wäre ohne die Erfindung des Buchdruckes so nicht vorstellbar gewesen. Aus diesem Grund zeigen Staatliche Bibliothek und Bischöfliche Zentralbibliothek in einer Doppelausstellung die Auswirkungen des Medienwandels im Laufe des 16. Jahrhunderts in Regensburg.

Während die frühe Reformation im Zentrum der Betrachtungen in der Staatlichen Bibliothek (Gesandtenstraße 13 in Regensburg) steht, widmet sich die Ausstellung in der Bischöflichen Zentralbibliothek (St.-Peters-Weg 11 in Regensburg) der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts.

1523 hielt in Regensburg ein gewisser Hans, seines Zeichens Blaufärber von Beruf, daher auch „Plobhans“ genannt, in seinem Haus Andachtsstunde ab, bei denen er aus deutschen Büchern vorlas. Da er zudem eines Tages den Domprediger während der sonntäglichen Messe laut unterbrach, wurde er zur Rede gestellt. „Plobhans“ sagte aus, er sei gezwungen, deutsche Bücher zu lesen, in denen er mehr Trost seines Gewissens finde, als vorher sein Leben lang in allen Predigten. Daher lese er selbst sie und würde sie auch allen vorlesen, die zu ihm kämen. Flugschriften konnten also sogar Predigten ersetzen. Als der Blaufärber daraufhin aus Regensburg verbannt wurde, machte er sich auf zu Martin Luther. Nach wenigen Wochen kehrte er in die Donaustadt zurück. Vom Reformator habe er – so der Chronist Leonhart Widmann – ganze Fässer „voll lutterischer biecher“ zurückgebracht.

Große Teile dieser in Fässern nach Regensburg gebrachten „lutterischer biecher“ haben sich in der Staatlichen Bibliothek Regensburg erhalten. Denn die Reformation ist ohne den Buchdruck nicht vorstellbar. Besonders Martin Luther hatte hier eine Sonderstellung inne. Innerhalb der fünf Jahre nach dem Thesenanschlag 1517 wurde Luther „Europas meistveröffentlichter Autor – aller Zeiten“ (Andrew Pettegree). Die Ausstellung in der Staatlichen Bibliothek zeigt Stücke aus der reichhaltigen Sammlung der Institution. Zu diesem Teil der Ausstellung ist auch eine Begleitpublikation erschienen, die drei Euro in der Bibliothek erworben werden kann.